Wiener Staatsoper: 07.02.2026 SO „Luisa Miller“ – Premiere

Freddie De Tommaso, Nadine Sierra, George Petean. Foto: Dem Trailer entnommen
Nun also Verdi, dieses Mal hat es seine kostbare, aber sträflich unterschätzte Oper „Luisa Miller“ erwischt. Man ist es eigentlich leid, immer öfter von misslungenen Produktionen zu schreiben, aber wie sonst sollte man die hilflosen Versuche, ein Werk „neu zu interpretieren“ beurteilen? Dass es Eifersucht, Leidenschaft, Ränke und Zwietracht zu allen Zeiten gab und noch gibt, ist unbestritten. Dass man Werktreue nicht achtet, sondern nach Aufmerksamkeit giert, indem man Unsägliches auf der Bühne zeigt, ebenso. Ein Untertitel zu dieser Produktion könnte lauten „Rodolfo im Nachthemd verkriecht sich in einem hässlichen Spitalsbett! Damit wäre auch schon ein besonders seltsames Detail genannt, in einer an Seltsamkeiten reichen Inszenierung (Philipp Grigorian). Dem Regisseur lag nichts daran, die Handlung zu erklären, man war verwirrt, wenn man das Werk kennt. Die Straßenbahnhaltestelle sollte wohl darauf hinweisen, wohin die Reise zu gehen hat, nämlich ins Nirgendwo.

Marko Mimica, Nadine Sierra. Foto: ORF-Trailer
Leider beeinträchtigte die schräge Optik auch den musikalischen Teil des Abends. Im Normalfall hätte man das Gebotene als „guter Durchschnitt“ bezeichnet. In Anbetracht der widrigen Umstände ist man aber kritischer eingestellt und bemängelt einiges, über das man sonst großzügig hinwegsehen würde. Nadine Sierra konnte in der Titelrolle gefallen, sie war sicher in den Höhen, hatte ausreichend Kraft, ihre Stimme war aber nicht ganz ohne Vibrato (zu Beginn), auch hätte man sich ein etwas weicheres Timbre gewünscht. Freddie se Tommaso sang oben erwähnten Rodolfo mit viel Temperament seine Stimme hatte lange Zeit ausreichend Kraft und glänzte mit guter Höhe. George Petean war als Miller etwas blass, sein weicher Bariton kam dieses Mal nicht optimal zur Geltung. Herausragend was Roberto Tagliavini als Graf Walter. In allen Lagen bestens disponiert, war er eine Säule des Ensembles. Unauffällig Daria Sushkova als Federica, ihr Mezzo kam nicht überwältigend zur Geltung. Den Schurken Wurm sang Marko Mimica mit allzu wenig Dämonie in der Stimme in wunderbar glänzendem blauen Zwirn, im Gegensatz zu den ansonsten eher merkwürdigen Gewändern – manches sah nach Fasching aus – (Vlada Pomirkovanaya) eine rühmliche Ausnahme. Hervorragend spielte das Orchester unter der sehr routinierten Leitung von Michele Mariotti. Auch der Chor war ohne Fehl und Tadel.
Ein heftiger, nicht ganz unverständlicher Buh-Orkan für den Regisseur beendete den Abend unsanft.
Johannes Marksteiner

