Wiener Staatsoper: LUISA MILLER. Premiere am 7.2.2026

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Wie beginnen? Etwa: Weil Sergio Morabito 2018 am Elektrotheater Stanislawski in Moskau sah, wie Philipp Grigorian Molières Tartuffe als Folie der dysfunktionalen Familie des letzten Zaren [las] — ein faszinierender, durchdachter, mit Können und Kunstverstand realisierter Abend sei das gewesen —, durfte der an den Opernhäusern Perm und Wuppertal sowie dem Stadttheater Gießen weltbekannte Regisseur nun an der Wiener Staatsoper inszenieren …
Oder: Diese Oper war außer vom Regisseur auch vom Dramaturgen nicht verstanden worden. Das führte zu einer Reihe hübscher Menschenansammlungen und humoristischer Augenblicke … Oder: Wen interessiert schon Verdis Luisa Miller?
Philipp Grigorian offensichtlich nicht. Des Spielvogts Arbeit — er zeichnete auch für die Bühne verantwortlich (Licht: Franck Evin) — war reich an Einfällen, doch seine Einfälle waren nicht reich. Er bot Miller als verwahrlosten Mann nach dem Tod seiner Tochter. Noch vor dem Beginn der Ouverture nahm dieser auf einer Bank an einer Bus- und Straßenbahnhaltestelle der Wiener Linien Platz. Während des Vorspiels stellte man uns im Bühnenhintergrund Luisas Begräbnis vor. Aus ihrem Grab kletterte eine Ballerina; umtanzte den Vater, ehe sie mit den Kondolierenden im Bühnendunkel verschwand. Begräbnisgesellschaft im Dunkel…
…Die » Heilige Operndreifaltigkeit « nahm gewiß für sich in Anspruch, einen faszinierenden, durchdachten, mit Können und Kunstverstand realisierten Abend geboten zu haben. Allein, das Publikum war anderer Meinung und tat diese vernehmlich kund.
Sollten sich die Zeiten etwa ändern?
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Thomas Prochazka/ www.dermerker.com

