Wien/ Staatsoper: 7.2.2026. : „Luisa Miller“, Premiere, „Wurmstichige Luisa Miller“

Giuseppe Verdis „Luisa Miller“ ist ein seltener Gast auf Wiener Opernbühnen. Zuletzt konnte man dem Werk 2001 beim Wiener Klangbogen Festival im Theater an der Wien begegnen. Die überschaubare Aufführungsgeschichte an der Wiener Staatsoper beginnt mit der Erstaufführung 1974 und endet im Jahr 1990. Nun wurde dort eine längst überfällige Neubelebung gewagt.
Regisseur Philipp Grigorian und sein Dramaturg Sergio Morabito schritten zur Tat, um „Luisa Miller“ für die Gegenwart neu zu entdecken. Die völlig missratene Neuproduktion rechtfertigt allerdings den Verdacht, dass sich am wenig rezipierten Schicksal von „Luisa Miller“ auf Wiener Opernbühnen auch in Zukunft wenig ändern wird. Denn im Grunde genommen ist diese Neuproduktion nicht nur für das Publikum, sondern auch für die ausführenden Künstlerinnen und Künstler eine schwer zu verargumentierende Zumutung.
Warum? Der Rodolfo ist beispielsweise eine heikle Figur. So überspannt wie ihn die Handlung charakterisiert, hängt seine Glaubwürdigkeit im Rahmen der Figurenkonstellation am seidenen Faden. Die Neuinszenierung an der Staatsoper zeichnet Rodolfo als possenhaften „Ritter“ mit weißem Federbusch, als hilflose Parodie auf einen eifersüchtigen Giftmischer. Sie mobbt den Tenor auf allen Linien, stiehlt ihm seine effektvollen Bühnenmomente durch eine lächerliche Aufmachung in Kostüm und Szene.
Diese Zeichnung des Rodolfo zieht auch die arme Luisa mit hinunter in ein lächerliches Bühnengrab. Luisa selbst steht die meiste Zeit herum, singt Arien an der Rampe, führt einen weinroten Teddy spazieren, verschwendet ihre sängerische Emotionalität an eine hilflose Personenregie. Luisas ausweglose Situation zwischen Vater, Wurm, Geliebten wird kaum begreiflich. In den Liebesszenen verweigert die regiebedingte Lächerlichkeit Rodolfos, dass das Publikum ihre Beziehung ernst nehmen kann.
http://www.operinwien.at/werkverz/verdi/aluisa2.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

