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WIEN/ Staatsoper: LUISA MILLER am 23.2.2026

Wiener Staatsoper : 23.02.2026  „LUISA MILLER“ 

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Freddie De Tommaso. Foto: Youtube

Tiefer geht es kaum mehr…. Angeblich wurde an diesem Abend „Luisa Miller“ gespielt! Nun gut, aus dem Graben ertönte die Musik von Verdi ( bis auf ein paar merkwürdige tempi von Michele Mariotti am Pult sogar recht erbaulich durch das sehr gut disponierte Orchester) und auch Chor und die Sängerschaft mühten sich redlich darum – wenngleich kein Einziger der Angetretenen  an die Leistungen der Vorgängerpremiereninszenierung ( Sukis, Ludwig, Bonisolli, Taddei, Giaiotti, Smith) und auch der diversen Repertoireaufführungen von 1983 bis 1990 herankam, wo u. a. Ricciarelli, Ghazarian, Carreras, Pavarotti, Cupido, Zancanaro, Brendel zu hören waren.  Von Salvadore Cammarano waren zwar Worte zu hören ( nicht immer zu verstehen, da klare Diktion auch nicht zu den Stärken einzelner Solisten gehörte) aber seine Ortsangaben und Handlungsstränge nicht zu erkennen – von der Vorlage Schillers schon gar nicht zu reden.

    Erinnert wurde man an den „5er“ – Bim Bim – Franzi aus dem Kaisermühlenblues – eine Straßenbahnhaltestelle war da in die „Tiroler – Berge“ ( eh nur laut Cammarano – wer braucht die denn heutzutage wirklich noch? ) versetzt worden, im Finale sogar „dupliziert“ weil es ja so gut paßt. Nur hätte eben Vorgenannter wohl nicht so einen Schmarren auf die Bühne gestellt wie dieser völlig unbedeutende „Spielvogt“, dessen Namen man am Besten gar nicht mehr erwähnt. Ein Sammelsurium von Lächerlichkeiten wurde da geboten, inclusive 5 „Ballerinen“, die eher wie ein Trupp Gardemädchen von einer Faschingssitzung wirkten und des öfteren auch dämlich wie der -gut singende – Chor herumtanzten. Am Herzigsten ein roter Teddybär – in bester Steiff-Manier – der sogar zum Leben erwachte und entzückend auf der Bühne herumtapste; auch Lachsalven an unpassenden Stellen auslösend. Genialer Einfall auch Rodolfo im Finale des ersten Aktes sich in ein auf die Bühne geschobenes Bett zu verkriechen lassen. Dadurch, dass offenbar das Ganze dem zu Beginn an der Haltestelle sitzenden Miller nur durch den Kopf geht, kommt es zu Überschneidungen der Ebenen – Millers Gedanken und dem „realen“ Geschehen. Das erschließt aber keine neuen Sichten auf das Werk, sondern erschwert den Durchblick derer, die das Werk nicht aus dem „Effeff“  kennen enorm.  Entweder rennen die miteinander agieren Sollenden irgendwo auf der Bühne herum ( zB im herrlichen Vater – Tochter Duett im letzten Bild!) ,  oder es sind Personen da, die zu diesem Zeitpunkt nichts auf der Bühne verloren haben usw. Genug davon – nur eines noch, das mich besonders erzürnt hat!  Wenn im Finale des dritten Bildes Walter die Bindung seines Sohnes lösen und Miller verhaften lassen will, möchte Luisa sich vor den Grafen knien und ihn um Gnade zu bitten. Das verhindert Miller mit einer der berührendsten Verdi-Einfälle: „Prostrata! No! Fra `mortali ancora oppressa..“ – vor einem Sterblichen beuge man nicht sein Knie.  An dieser Stelle sitzt Miller mit Luisa am Haltestellenbankerl, der Graf und Rodolfo hinten „im Bühnenbild“ ..   Wer so etwas zuläßt, solch eine zentrale Stelle so ruiniert, der KANN Oper nicht lieben: weder der Spielvogt, noch der „Ex Ö3 Mann“ , der letztendlich die Verantwortung für eine – neuerliche Werkzerstörung trägt!  Es reicht!

     Roberto Tagliavini als baßgewaltig auftrumpfender und schön phrasierender Walter und die luftig-leichte Nadine Sierra als Luisa – waren die Favoriten in der Publikumsgunst. Freddie de Tommaso, über weite Strecken im Einheitsforte, drückte in den Höhen so auf sein Organ, dass etliche Male eine Spur zu hoch war, Daria Sushkova, die mir als Suzuki gut gefallen hat, klang im Duett mit Vorgenanntem merkwürdig „blechern“ und war als rosa „Zuckerl“ unmöglich hergerichtet – eine Zumutung für die arme Frau! Die Figur des Wurm war völlig ruiniert, Marko Mimica schien nicht in Best-Form und konnte leider daher auch stimmlich nichts retten. Selbst George Petean, ein geschätzter Verdi-Stilist und dritter Pluspunkt des Abends klang in manchen Passagen der oberen Lage nicht auf seinem sonstigen Niveau.

     Ein trauriger Abend, ich möchte die belauschten Pausen-Gespräche und Kommentare gar nicht wiedergeben. Erneut wurde ein Werk ruiniert, der Lächerlichkeit preisgegeben. Aber wen interessiert das schon außer unserer kleinen „Operngemeinschaft“? An „maßgebenden Stellen“ sicher niemanden – leider. „Ceterum censeo Roscicem esse removendum“!

    Michael Tanzler

 

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