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WIEN / Staatsoper: „LUCIA DI LAMMERMOOR“

WIEN / Staatsoper: „LUCIA DI LAMMERMOOR“ – 19.04.2022

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Lisette Oropesa. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Corona-bedingt war dies erst die 7. Aufführung der Neuinszenierung von Laurent Pelly, die im Februar 2019 an der Wiener Staatsoper Premiere hatte. Allerdings sah die Aufführung aus, als wäre dies bereits die 700. Vorstellung einer alten Inszenierung, die von Anfang an schlecht war. Wenn Dominique Meyer schon unbedingt die schöne alte Inszenierung von Boleslaw Barlog aus dem Jahr 1978 austauschen musste, warum hat er dann diese nichtssagende und uninteressante Produktion von der Philadelphia Opera eingekauft? Hätte er stattdessen die Inszenierung von Katie Mitchell von der Covent Garden Opera übernommen, dann hätten wir jetzt wenigstens eine unglaublich spannende Produktion im Repertoire. Außerdem hätte Lisette Oropesa diese Produktion bereits gekannt, sang sie doch vor vier Jahren in dieser Inszenierung in London.

Lange haben wir in Wien auf Lisette Oropesa warten müssen. Ich habe sie erstmals 2009 an der Metropolitan Opera in Puccinis „La Rondine“ gesehen, bezeichnenderweise in der Partie der Lisette. Erst Bogdan Roščić hat sie für die Premiere der „Entführung aus dem Serail“ an die Staatsoper geholt, wo sie hoffentlich in Zukunft noch oft zu sehen sein wird. Die Lucia hat sie bereits 2012 an der Arizona Opera gesungen, danach auch am Teatro Real Madrid und an der Covent Garden Opera, und nun erstmals in Wien. Sogar in dieser statischen Inszenierung von Laurent Pelly gelingt es ihr den Wandel von der glücklich Verliebten zur letztlich wahnsinnig werdenden jungen Frau glaubhaft darzustellen. Stimmlich ist sie mit ihrer schlanken, warm timbrierten Stimme, sicheren Koloraturen und strahlenden Spitzentönen ohnehin eine Idealbesetzung. Die Wahnsinnsarie, in der sie mit der Glasharmonika quasi im Duett sang, war natürlich der umjubelte Höhepunkt des Abends.

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Benjamin Bernheim. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Etwas Anlaufzeit brauchte an diesem Abend Benjamin Bernheim als Edgardo. Im Liebesduett musste er noch hörbar zu viel Kraft investieren, was gelegentlich auf Kosten der Stimmschönheit ging. Aber spätestens ab „Maledetto“ im Hochzeitsbild war er wieder in Bestform und glänzte mit strahlenden Höhen, schöner Phrasierung und gefühlvollem Ausdruck. Großartig gerieten ihm dann das Turmbild, seine große Arie im Schlussbild und seine Sterbeszene.

George Petean, der einzige Sänger des Abends, der bereits in der Premiere mitgewirkt hatte, beeindruckte vor allem mit seinen sicheren, kraftvollen, zum Teil auch eingelegten Höhen.

Den Raimondo sang Roberto Tagliavini mit seiner schönen Bassstimme, die über ein lyrisches und weiches Timbre verfügt.

Josh Lovell mit seinem hellen Tenor als fescher Arturo, Patricia Nolz als schönstimmige Alisa und Hiroshi Amako aus dem Opernstudio als Normanno ergänzten die Besetzung zufriedenstellend.

Evelino Pidò bemühte sich dem Orchester der Wiener Staatsoper – das mit Belcanto-Opern nicht gerade die große Liebe verbindet – einen facettenreichen und differenzierten Klang zu entlocken, was leider nicht immer gelang.

Am Ende gab es viel Jubel. Aber wie schön wäre die Vorstellung erst gewesen, hätte sie mit dieser Besetzung noch in der Barlog-Inszenierung mit den schönen Bühnenbildern von Pantelis Desyllas und den traumhaften Kostümen von Silvia Strahammer stattgefunden. Naja, tempi passati!

Walter Nowotny

 

 

 

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