Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Staatsoper: LUCIA DI LAMMERMOOR

27.06.2012 | Oper

WIEN / Staatsoper:
LUCIA DI LAMMERMOOR von Gaetano Donizetti
158. Aufführung in dieser Inszenierung
27. Juni 2012 

In der dritten Vorstellung dieser „Lucia di Lammermoor“-Serie stand wieder Brenda Rae in der Titelrolle auf der Bühne. Sie hat ja schon bei der ersten Aufführung viel Lob geerntet, vielleicht aus Dankbarkeit für das Einspringen eine Spur zu viel. Sie nimmt ja auch als wirklich attraktive und jugendliche Sängerin (sehr „amerikanisch“ aussehend – man kennt die Schönheiten von Fleming bis Magee) sehr für sich ein.

Was die Stimme betrifft, so ist sie allerdings nicht wirklich sensationell – man könnte sagen, dass sie weit mehr ein „Lucierl“ als eine „Lucia“ war. Zu Beginn bewunderte man durchaus einige Zeit ihre schöne Pianokultur, bis bald klar wurde, dass da nicht mehr kommt – kurz, die Stimme ist für ein Haus wie die Staatsoper einfach zu klein. Niemand wird zum Forcieren oder zum „laut singen“ aufgefordert, aber es gibt einfach ein Level an Stimmstärke, das Brenda Rae nur sehr kurzfristig gebracht hat – bei den Koloraturen, die die wahnsinnige Lucia im „Duett“ mit der Flöte singt. Der Rest war ein Stimmchen.

Dieses Stimmchen ist leicht und angenehm, aber wie die ganze Sängerin noch nicht gänzlich überzeugend. Diese Lucia interessierte als Person kaum, auch die Wahnsinnsszene war einfach nur einigermaßen (nicht gänzlich) sauber gesungenes Handwerk, doch keinerlei Gestaltung, die irgendwie gefesselt, geschweige denn fasziniert hätte. Aber Brenda Rae ist noch jung, sie hat Voraussetzungen, es gibt gute Lehrer. Eines Tages dringt sie sicher zur Rolle vor und wird dann nicht mehr so – offen gestanden – langweilig sein.

Der Rest der Besetzung war fast dieselbe wie bisher, Piotr Beczala, der auch am Stimmumfang zeigte, wie eine Stimme für dieses Haus beschaffen sein muss. Er hatte vielleicht nicht ganz seinen allerbesten Abend, klang immer wieder etwas hart, aber er arbeitet an Ausdruck, Stimmfärbung (wenn man die Sinnlichkeit der Italiener nicht in die Wiege mitbekommt, muss man sie eben durch Technik und Gestaltung erringen) und auch der Darstellung.

Eijiro Kai, der wie ein gefährlicher Räuberhauptmann aussieht, und Sorin Coliban wetteiferten an diesem Abend, sich an Rauheit des Timbres zu übertrumpfen, was nicht immer gut klang. Ho-yoon Chung ist für das kleine Tenorfach eine ordentliche Besetzung, wenn er nicht zu stark auf die Stimme drücken muss. Juliette Mars verschwindet bis zur Unauffälligkeit.

Und Guillermo Garcia Calvo am Pult? Nach dem ersten Bild dröhnte ein deutliches und absolut berechtigtes „Buh“ aus dem Parterrestehplatz – es galt einem allgemeinen Schwimmfest zwischen Orchester, Chor und dem Normanno des Peter Jelosits, und in der Folge war der Dirigent keinesfalls ein Helfer der Sänger (und des ganzen Abends). Vor allem Lucia, die ohnedies zur Ausdrucksblässe neigte, wurde durch das Geschleppe noch öder.

Neben mir saß eine französische Touristin, der das Grand Hotel zu ihrer 128-Euro-Karte noch 40 Euro Aufschlag abgeknöpft hatte. Sie wirkte nicht sehr glücklich. Das Publikum klatschte brav. Der Stehplatz war schwach besucht. Wer hatte an diesem Abend eigentlich wirklich seine Freude? Er war so anregend wie eingeschlafene Füße.

Renate Wagner

P.S. Ich muss mich dafür entschuldigen, in der ersten Fassung dieser Kritik Eijiro Kai mit Marico Caria verwechselt zu haben – und ich dachte noch, wie komisch, dass dieser Sizilianer so exotisch aussieht! (Bei der Aufführung am Sonntag vor der Oper habe ich Herrn Caria ja nicht aus der Nähe, sondern nur einigermaßen vage am Bildschirm gesehen.) Absolutes Blackout, totale Blödheit, ich kann mir diesen Irrtum eigentlich nicht erklären, ich kann mich nur entschuldigen.

P.P.S.  Und jetzt habe ich noch, wie Elena Habermann mir schreibt, aus einem Sarden einen Sizilianer gemacht. Ich glaube, es reicht – zwei Monate ohne Live-Oper werden meinen Kopf vielleicht wieder säubern. Das ist jetzt einfach zu viel gepatzt. Nochmals – Entschuldigung.

 

Diese Seite drucken