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WIEN/ Staatsoper: LOHENGRIN – Neues aus dem Schwanenbräu

06.09.2016 | Oper

WIEN/ Staatsoper: „LOHENGRIN“ „Neues aus dem Schwanenbräu“ am 5.9.2016

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Stefan Vinke. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Ein Hausdebüt mit Glanz und Gloria bestand Stefan Vinke als Lohengrin. Die Absage von Klaus Florian Vogt kam äußert knapp, also sprang Herr Vinke ohne irgendeiner Art von Probe ein, zeigte Nerven wie Drahtseile, und bot eine dafür sensationelle Leistung. Die Stimme ist sicher, sehr gut geführt und hat ein helles richtiges Tenortimbre. Die Höhen sitzen perfekt. Vinke singt die Rolle stilistisch sehr an Vogt orientiert, sicher kein Fehler. Darstellerisch fügte er sich ohne Schwierigkeiten ins Ensemble.

Neu im Bierlokal war auch Tomasz Konieczny, ein Friedrich von Telramund voll gekränkter Eitelkeit und daraus resultierender Boshaftigkeit, dazu passt auch die nicht so edle, aber durchschlagfähige Stimme. Schauspielerisch ist er immer auf der Habenseite.

Günther Groisböck ist ein stimmlich vorzüglicher Heinrich der Vogler, der eine große Persönlichkeit in die Rolle einbringt.

Diesmal als Heerrufer Boaz Daniel, eine Gestaltung von Format und bester Stimme.     

Elsa ist eine sehr gute Rolle von Ricarda Merbeth, die immer wunderbare Piani singt. Leider rutscht in den Fortestellen oft sehr viel Vibrato dazu.

Eine Ortrud der absoluten  Sonderklasse ist Petra Lang,  da bleibt musikalisch und darstellerisch kein Wunsch offen. Einfach großartig.

Die vier brabantischen Edlen Wolfram Igor Derntl, Daniel Lökös, Johannes Gisser und Dominik Rieger klangen harmonisch und sehr gut hörbar. Die vier Edelknaben Secil Ilker, Martina Reder, Barbara Reiter und Karen Schubert ebenso.

Überhaupt ein großes Lob an den Chor, wieder hervorragend studiert von Thomas Lang.

Am Pult stand der neue musikalische Chef der Met Yannick Nezet-Seguin, ein absoluter Könner, das Orchester spielte wunderschön, die Tempi des Maestro waren perfekt, insgesamt eine überaus gelungene Aufführung.

Ich bin sicher keine Freundin inszenierter Vorspiele, aber hier wird sehr ordentlich die Vorgeschichte erzählt, die Kinder wachsen mutterlos auf, dann begehrt Telramund Elsa, sie mag ihn nicht und Ortrud lauert und schlägt gnadenlos zu, und siehe da, der „Held“ Telramund ist ein Weichei. Das kommt in der Regie sehr gut in den Vordergrund.

Wenn man Herrn Vinke noch eine schöne Perücke verpasst hätte, wäre es der Olymp der Umsetzung geworden.

Elena Habermann

 

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