Les Pécheurs des perles
26.5.26
Ja, die Liebe hat bunte Tücheln

Ach so, anderes Bizet-Stück – obwohl nach der Pause etwas Carmen Muzak und eine bekannte, nicht eben partiturbestimmte Stimme zu hören war. Und es heißt nicht „Tücheln“, sondern „Flügeln“, aber in Ersan Mondtags Ceylon-Alternative wird gefärbt, nicht geflogen.
Haben wir die Perlenfischer am Ring vermisst? Es ist faszinierend gute Musik zu einem andernarts faszinierend schwachen Text. Es einmal vom Staatsopernorchester hören zu dürfen, hat seinen Reiz und der spät an die Staatsoper geholte Daniele Rustioni nutzt ihn mit dem Orchester und dem ebenso geforderten wie souveränen Chor zu einem farbenreichen, nuancierten Klangteppich.
Viele Personen gibt es nicht in dem Stück und sie sind so operntypisch wie nur möglich: Der duldende Sopran, der schmachtende Tenor, der zwischen Wut und Großmut zerrissene Bariton und der finstere Bass. Kristina Mkytarian zeigt als Leila durchaus Vorzüge, ohne sich zum lyrischen Zentrum als Primadonna machen zu können. Juan Diego Florez als Nadir und Ludovic Tezier als Zurga haben die nötige Starqualität, aber der Unterschied zwischen mit ausgezeichneter Technik und äußerster Disziplin und Kraft die Erfordernisse respektabel Bewältigen und ein gesundes Organ frei strömen Lassen wird hier augenscheinlich. Ivo Stanchev ergänzt als Nourabad wie immer in mittelgroßen Rollen sehr verlässlich.
Zur Inszenierung nur so viel: Ich kann zu ihr nichts Schlechtes sagen. Ein bühnennaher Logenplatz, 3. Reihe wird dabei mitgeholfen haben.
Robert Fucik

