Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE von Gateano Donizetti

22.09.2019 | Oper

Bildergebnis für wiener staatsoper der liebestrank nazarova
Maria Nazarova. Foto: Wiener Staatsoper/ MichaelPöhn

WIEN / Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE von Gateano Donizetti

  1. Aufführung in dieser Inszenierung am 21. September 2019

Von Manfred A. Schmid

Die schier unverwüstliche und stets von Neuem entzückende Produktion von Donizettis Melodramma giocoso aus dem Jahr 1973 – „nach der Regie von Otto Schenk“ sowie in der heimatmusealen Ausstattung von Jürgen Rose – wird alljährlich mehrmals abgestaubt und auf die Bühne gestellt. Nun ist es wieder so weit. Natürlich kann auch ein Haus wie die Staatsoper nicht immer mit Namen wie Juan Diego Flores als Nemorino (26.9.2014), Valentina Nafornita als Adina (4.2.2018) oder Erwin Schrott als Dulcamara (12.11.2017) aufwarten. Ein Mindestmaß an Niveau bei der Besetzung sollte allerdings eine Selbstverständlichkeit sein, ist aber leider nicht immer der Fall, wie erst jüngst bei einem ziemlich verunglückten Il Trovatore zu erleben bzw. zu erleiden war. Große Namen allein garantieren natürlich auch nicht automatisch immer einen Hochgenuss. Bryn Terfel etwa war bei seinem Rollendebüt im Dezember 2016 in der Rolle des Quacksalbers Dulcamara eine herbe Enttäuschung. Nicht unschön, aber lustlos gesungen und noch lustloser gespielt. Als ob er sich zu überqualifiziert für diese Rolle gehalten hätte. Da ist man nun mit einem von kömödiantischer Spiellaune angetriebenen und mit vollem Einsatz ans Werk gehenden Sänger, wie Paolo Rumetz einer ist, auf jeden Fall besser bedient. Mag auch nicht jeder Ton sitzen und die gesanglichen Phrasierungen manchmal zu wünschen übriglassen, mit seinem darstellerischen Geschick und seinem in Jahrzehnten geschärften Instinkt für das Komische hat er das Publikum auf seiner Seite. Der Applaus dafür fällt auch ungewöhnlich herzlich aus.

Steht mit Rumetz gewissermaßen ein bewährter und mit allen Wassern gewaschener Veteran auf der Bühne, werde die übrigen Partien allesamt von jungen Kräften besetzt, die zu nicht geringen Hoffnungen Anlass geben. Das überall noch genug Luft nach oben ist, versteht sich von selbst, ein belastbares Fundament für weitere Reifung und Weiterentwicklung ist aber vorhanden.

Mit Maria Nazarova kommt eine Hausbesetzung als Adina zum Zug. Die russische Koloratursopranistin punktet bei ihrem Rollendebüt mit ihrem eleganten Timbre und einer anmutigen bis leicht(sinnig) koketten Darstellung. Als Nemorino feiert der am Grazer Opernhaus engagierte Pavel Petrov, der erst im Juni bei der Verleihung des österreichischen Musiktheaterpreises als bester männliche Hauptrolle (für seinen Lenski in Eugen Onegin) ausgezeichnet worden ist, sein Staatsoperndebüt. Der erst 28-jährige Weißrusse präsentiert sich als feiner Belcanto-Tenor, von dem man gewiss noch viel hören und sehen wird. Seine Gestaltung der Partie des etwas patscherten Liebhabers ist durchaus gelungen und mischt gekonnt melancholische Züge mit komischen Facetten.

Dass man den mit einem samtig-frischen Bariton ausgestatteten Samuel Hasselhorn – auch er ein Ensemblemitglied – vor knapp einem Jahr in einer Kritik als „schüchternen, zurückhaltenden Musiker“ bezeichnet hat, kann man sich angesichts seines selbstbewussten und zugleich auch etwas parodistisch wirkenden Auftritts als eitler, in erster Linie in sich selbst verliebter Belcore kaum glauben. Da muss er sich aber inzwischen radikal gewandelt haben, oder das Urteil war – was wohl eher anzunehmen ist – ein klassisches Fehlurteil.

Jonathan Darlington hatte erst vor wenigen Tagen seine Wiener Feuerprobe als Dirigent der Don Carlo-Aufführung bestanden. Auch bei Donizetti erweist er sich als verlässlicher und stets die Übersicht behaltender Leiter des musikalischen Geschehens. Um ausreichende Italianita muss man sich bei diesem Engländer bestimmt keine Sorgen machen. Und der Chor singt überhaupt, als wäre er auf Betriebsurlaub in südlichen Gefilden. Heftiger,  Applaus.

Manfred A. Schmid

 

 

Diese Seite drucken