5.5.2026 L’ELISIR D’AMORE
O sink hernieder, Nacht der Liebe
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Grundsätzlich ist es eine gute Idee, Belcanto- (und Mozart-)Opern mit schwer(er)en Stimmen zu besetzen, so wurde gerade beim Casting für Adina in den letzten Jahren tendenziell auf zu Soubrettenhaftes gesetzt, doch diesmal griff das Besetzungsbüro zu wahrhaft dramatischen Kalibern für das junge verspielt-verliebte Pärchen.
Mit Michael Spyres und Pretty Yende wurden zwei der Stars des derzeitigen Klassikmarktes engagiert, die die Leichtigkeit und Wolkigkeit in stimmlicher Hinsicht längst verlassen haben und bei weit kraftvolleren Aufgaben angekommen sind. Insbesondere bei Spyres scheint es so, dass er den Liebestrank, den er jüngst bei seinem erfolgreichen Tristan-Debut an der MET getrunken hat, gleich an die Staatsoper mitnahm, um den jungen Bauern Nemorino gehörig an dessen Kraft teilhaben zu lassen.
Nun verfügt Spyres über eine wunderschöne baritonale honiggleiche Stimmfärbung und ein sympathisches und liebenswertes Auftreten auf der Bühne, allerdings fehlt es ihm für den Nemorino darstellerisch und auch stimmlich ein wenig an Agilität. Der dunkle üppige Klang verführt zwar, ist am Ende doch zu sehr gegen die Hörgewohnheiten besetzt. Insgesamt kommt sein Nemorino etwas behäbig daher, die auf früheren Aufnahmen hörbare und bei früheren Auftritten wahrnehmbare Flexibilität hat abgenommen. Seine große Arie klingt schön, wenn auch etwas schwer(mütig). Insofern ist es kein Wunder, dass vor allem das Schlussduett, bei dem es für das junge Glück „um alles“ geht, besonders gut gelingt. Ein stimmliches Brautgemach, in dem die beiden „zum ersten Mal allein“ sind.
Die fehlende Leichtigkeit gilt auch für seine Angebetete: Nun hat Pretty Yende zwar ihre Karriere unter anderem auf ihrer Koloraturfertigkeit aufgebaut, doch ist auch sie dem mädchenhaften Ton längst entwachsen, über ihre Stimme hat sich eine Schwere gelegt, wobei insbesondere – wie bei Spyres – die hohe Mittellage am besten anspringt und dort wunderschöne, warme Töne produziert.
Beide gemeinsam auftreten zu lassen macht durchaus Sinn, die Stimmen mischen sich gut, trotz dieses Wohlklangs geht aber letzten Endes die in Musik und Plot angelegte Spritzigkeit ein wenig verloren.
Als Dulcamara ist mit Ambrogio Maestri ein alter Quacksalber-Bekannter am Werk, der mit großer Routine die Anforderungen der Rolle gut meistert. Leider ist er insbesondere in seiner Auftrittsarie vom Dirigenten allein gelassen, der versucht, ohne Rücksicht auf die Protagonisten noch nie dagewesene Geschwindigkeitsrekorde zu brechen.
Society-Liebling und Gars-Intendant Clemens Unterreiner liefert als Belcore die gewohnte Sergeanten-Parodie ab und lässt mit seiner zur Schau getragenen Maskulinität kein Klischee aus, mit dem er die Mädchen des Dorfes zu verführen trachtet.
Der 1968 geborene Mailänder Gianluca Capuano, Chef von Les Musiciens du Prince in Monaco, an der Wiener Staatsoper bis dato nicht häufig zu Gast, und derzeit mit der Vorbereitung der Salzburger Pfingstsause von Il viaggio a Reims beschäftigt, liebt offenbar die Schnelligkeit – grundsätzlich angesichts der vorantreibenden Handlung von Donizettis Liebestrank keine schlechte Eigenschaft –, allerdings hätte es dazu wohl einiger Bühnen-Orchesterproben bedurft: Das Zusammenspiel mit Chor und häufig auch den Solisten gelingt nur bedingt, insbesondere Ambrogio Maestri ist Opfer des Geschwindigkeitsrausches am Dirigentenpult. So bleibt vieles uneinheitlich, wenn dem Maestro die musikalischen Pferde durchgehen, nicht selten findet sich erst am Ende der Ensembles ein Gleichklang.
Alles in allem trotzdem ein spannendes und höchst unterhaltsames Experiment, Cornwall in ein italienisches Dorf zu versetzen.
Sabine Längle

