5.5.26 „L’elisir d’amore“, Staatsoper, „Ein Tristan auf Italienurlaub“

Die Staatsoper servierte eine Bouteille „Liebestrank“ – und auf dem Etikett stand ein Name, den man dort nicht vermuten würde: Michael Spyres. Nun ist Spyres zwar nicht unter die Winzer gegangen, aber er scheint ein wenig Urlaub in Italien zu machen, und das Publikum darf ihm dabei zuschauen und vor allem zuhören.
Michael Spyres ist über den großen Teich angereist, dort hat er am ganz großen Opernhaus in New York Richard Wagners „Tristan“ gesungen, und jetzt möchte er augenscheinlich das sieche Heldentum dieses Kerls hinter sich lassen und auf einem südlichen Landgut Erholung suchen. Und statt einer Isolde, gepackt in atlantische Inselkälte, wird er eine „Isotta“ finden, auch Adina genannt, die ihm bukolisch das Herz wärmt.
Schließlich brauchen auch die hehrsten Helden mal Abwechslung, und wenn Spyres seinen leicht baritonal unterfütterten Tenor mit einer Prise „tenore di grazia“ abschmeckt, dann kreiert er vielleicht sogar eine neue „Rebsorte“ für Dulcamaras Elixier? Nun, für eine neue „Rebsorte“ hat es nicht gereicht, aber es war trotzdem amüsant und zugleich überraschend, wie Spyres den Tristan weitgehend mühelos und noch mit ausreichender stimmlicher Flexibilität versehen zum „Tristano“, genannt Nemorino, „domestiziert“ hat.
http://www.operinwien.at/werkverz/donizett/aliebe15.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

