WIEN/ Staatsoper 31.1.2026 – „L‘elisir d‘amore“ –
„Vor der Liebesglut schützt kein Schatten und kein Bach.“

Die 280. Aufführung in der Inszenierung von Otto Schenk des „Melodramma giocoso“ in zwei Akten, Gaetano Donizettis überaus beliebtes Meisterwerk „L‘elisir d‘amore“, mit dem Text von Felice Romani, war an der Wiener Staatsoper, in neuer Besetzung, mit viel Esprit und Charme, beeindruckend zu erleben!
Regie-Gigant und Universalgenie Otto Schenk stellte in seiner Inszenierung stets den Menschen in den Mittelpunkt. Mit Mitgefühl, mit einem liebevollen, aber durchaus auch kritischen Blick. Mit Charme und Humor machte er auf die kleinen Schwächen jedes einzelnen Charakters aufmerksam, die seine detaillierte Personenregie so überaus menschlich erscheinen ließ. Bei aller Werktreue, Genauigkeit, Liebe zum Detail und Fachkompetenz bevorzugte Otto Schenk inszenatorisch die Sinnlichkeit des Lebens und der Figuren. In makelloser Einheit mit der Bühne und den Kostümen von Jürgen Rose.
Unter der souveränen, musikalischen Leitung von Pier Giorgio Morandi erzeugte das exzellente Orchester der Wiener Staatsoper eine profunde, klangintensive Italianità mit gebührender Leichtigkeit, Raffinesse und Eleganz, aber auch mit eindrucksvollem, emotionalem Tiefgang, humoreskem Wohlklang und mitreißender Rasanz.
Maria Nazarova, bewährtes Ensemblemitglied an der Wiener Staatsoper, fesselte in der Rolle der Adina mit pointierter Koketterie, anmutigem Charme, Lebendigkeit und souveräner Stimmführung. Hinreißende Koloraturen und Spitzentöne bestätigten ihre wahre Eignung zum Publikumsliebling.
Edgardo Rocha beeindruckte mit seinem weichen, lyrischen Tenor in der Rolle des Nemorino. Im Laufe des Abends sich immer noch mehr steigernd, bewies er großen Humor und Flexibilität nach Einnahme des „Liebestranks“ und stimmliche sowie interpretatorische Kompetenz u.a. in seiner Arie im zweiten Akt „Una furtiva lagrima“.
Stefan Astakhov präsentierte sich stimmgewaltig und präsent in der Rolle des Belcore.
Nicola Alaimo war als Doktor Dulcamara eine zentrale Figur der Aufführung. Sowohl stimmlich als auch darstellerisch. Gekonnt, mit pointiertem Humor, Stimmbeherrschung und souveränem, schauspielerischem Impetus formte er den Dulcamara zu einer tragenden Bühnenpersönlichkeit.
Aufhorchen ließ Maria Zherebiateva (Mitglied des Opernstudios) mit klarer, gut geführter Stimme in der Rolle der Gianetta. Sehr gut ergänzten Gerhard Berndl (Trompeter) und Gerhard Wilimek (Diener des Dulcamara).
Hervorragend der Chor (Choreinstudierung: Martin Schebesta), das Bühnenorchester und die Komparserie der Wiener Staatsoper.
Ein beglückende Aufführung, die allen Beteiligten wohlverdiente Beifallsstürme des begeisterten Publikums bescherte!
Marisa Altmann-Althausen

