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WIEN/ Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO. Sposi, amici, al ballo, al gioco, Alle mine date foco,

Staatsoper

15.9.2026

Le Nozze di Figaro

Sposi, amici, al ballo, al gioco,
Alle mine date foco,

Le nozze di Figaro – Wikipedia

Staatsopernrepertoire at its best. Ein in einigen Rollen neu besetzter Figaro macht Freude. Das liegt primär an Patrick Hahn, dem Grazer „Wunderkind“ am Dirigentenpult. Geradeheraus gesagt: Wenn ein junger Dirigent das Staatsopernorchester derart animiert, dass nicht „Dienst“, sondern Musizierlust regiert, dann muss an ihm schon einiges dran sein. Mit relativ flotten, gut aufeinander abgestimmten Tempi und sehr differenzierter Lautstärke wird ein spannender Orchesterabend daraus, mit glänzenden Streichern (unter Danailova) und wundervollen Bläsern (besonders Horak und Dervaux). Freilich, bei den Recitativen sieht’s nicht so brillant aus, die geraten bei fast allen mit zu voller Stimme und zu wenig sprechender Artikulation viel schwerfälliger als der Orchesterpart. Zugegeben, das ist Jammern auf hohem Niveau.

Die Inszenierung ist mittlerweile bekannt und wird weit überwiegend geschätzt; Barry Koskys gelungenste Arbeit unter der da Ponte-Trilogie; positiv formuliert: animiert, witzig, modern. Wer in hoffnungsloser Nostalgie feinen Humor und Eleganz erwartet, mag es anders sehen und das viele Kneifen, Treten, Abwatschen und mit Scheuermittel Bespritzen und erst recht den Bestrafungssex des Grafen ebenso wenig goutieren wie einige eher grelle Kostüme, aber unter den vielen „heutigen“ Produktionen kann man diese doch als die beste werten. Den Sängern scheint’s auch zu gefallen.

Bei den Hauptrollen ist Riccardo Fassi als Figaro schon öfter eingesetzt gewesen, ein immer noch jugendlich wirkender, alerter Bass mit doch schon leichten, vorzeitigen Gebrauchsspuren. Andrea Caroll war schon in früheren Inszenierungen und als Ensemblemitglied Susanna. Viel größer ist die Stimme seither nicht geworden; sie wird auch mit etwas zu viel Druck eingesetzt – aber auch hier gibt es schlechtere Besetzungen. Und Alma Neuhaus ist nicht zu beneiden, weil sie den Cherubino Patrizia Nolz nachsingen und -spielen muss. Das sind große Schuhe, mit denen sie nett und sympathisch zurechtkommt, ohne Glanzlichter setzen zu können.

Dafür ist – man kann sich da nur der Vorkritik Sabine Längles anschließen – das Grafenpaar ein besonderes Ereignis. Florian Sempey singt den Almaviva mit kraftvoller Stimme (außer in den Recitativen) gut differenziert und schafft den nicht eben einfachen Spagat zwischen einem absolutistischen, nicht ungefährlichen Schlossherrn und dem lächerlichen Macho in kompromittierenden Situationen ganz ausgezeichnet. Überwältigend die Contessa von Elsa Dreisig: ich kann mich nicht erinnern, seit der Janowitz eine derart herausragende Klangqualität (wie beschreiben? Weißgold? Porzellan?) gehört zu haben, noch dazu mit perfektem Spiel.

Die Comprimarii kann man so lassen; Tenorglanz ist in der Nozze ja selten angesagt; scharfe Charakterzeichnung ist bei Andrea Giovanninis in dieser Inszenierung nicht stotterndem, sondern schwer asthmatischen Don Curzio Standard, Matthäus Schmidlechner fügt seinen bewährten Figuren mit dem Don Basilio eine weitere hinzu und überzeugt als einziger auch völlig mit herausragend gestalteten Recitativen. Stephanie Houtzeel zelebriert die Marcellina wie immer als überspannte Alte, die zur fürsorgenden Madre mutiert. Clemens Unterreiner findet vom Garser Intendanten zurück in den Ensemblealltag mit einem relativ jung wirkenden Antonio, trotz von Blumenerde verdrecktem Feinripp nicht unelegant. Interessante Neuzugänge ergänzen: Bartosz Urbanowicz stellt sich als neues Ensemblemitglied mit dem Bartolo vor; durchaus stimmstark (teils klingt er jünger und gesünder als der Figaro) und spielfreudig könnte er das Bankl-Fach abdecken. Und Olga Surikova, neues Mitglied des Opernstudios aus Freising (was man nicht unbedingt am Namen erkennt) ist eine hübsche und schlanke Barbarina aus dem Bilderbuch. Aus dieser jugendfrischen, aber schon recht runden Stimme kann etwas werden.

„Feuert die Raketen ab“ heißt es am Ende. Aber Hahn hat von Anfang an ein Feuerwerk gezündet. Man sähe in gern bald wieder am Ring.

Robert Fucik

 

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