Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Staatsoper: LA TRAVIATA

05.12.2014 | Oper

La_Traviata_70877_Pirgu-Jaho xx
Saimir Pirgu und  Ermonela Jaho / Fotos: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

WIEN / Staatsoper: 
LA TRAVIATA von Giuseppe Verdi
30. Aufführung in dieser Inszenierung
5. Dezember 2014
  

Der koreanische Dirigent Myung-Whun Chung hat zwar schon an der Staatsoper gearbeitet, aber die vier „Boccanegra“-Aufführungen 2011 wurden wohl nicht so recht wahr genommen. Nun ersetzt er Franz Welser-Möst zweimal, für die „Rigoletto“-Premiere und davor schon in der „Traviata“-Serie. Da hörte man natürlich besonders interessiert hin. Und vernahm absolut delizöse Vorspiele zum ersten und dritten Akt, dazu einen „leichten“ Verdi, der nie künstlich aufdonnerte, und es war eigentlich nur eine gelegentliche Tendenz zum Dehnen und Überdehnen (etwa in der zweiten Germont-Arie), die befremdend wirkte. Im „Rigoletto“ wird der 61jährige Koreaner, dessen Zeichengebung (das kann man von der Galerie gut sehen) geradezu auffallend minimalistisch ist, dann vermutlich etwas an Dramatik zulegen.

Die attraktive Ermonela Jaho hat ihre „Signatur“-Rolle, die Violetta, schon in zwei Serien in Wien gesungen. Dennoch scheint sie sich in dieser Inszenierung (die es den Sängern ja auch unverschämt schwer macht) noch nicht heimisch zu fühlen, so viel hilfloses, auch affektiertes „Gerudere“ gab es da. Manche Szenen (der Brief im zweiten Akt, das Sterben im letzten) gelangen allerdings mit hoher darstellerischer Spannung. Die Stimme von Ermonela Jaho ist in der Mittellage gaumig-dunkel timbriert, darüber aber erhebt sich eine strahlende, sicher geführte Höhe (ob Piano, Pianissimo, ob Forte, es gelingt zu 90 Prozent hoch qualitätvoll), die im ersten Akt auch alle Koloraturen bringt, samt eingelegtem Spitzenton. So souverän hat man die Partie lange nicht gesungen gehört. Nebenbei bemerkt: Dass Sängerinnen sich gefallen lassen müssen, den Tod der Violetta mit weißer Abschminkcreme im Gesicht zu singen, zeigt einiges von der brutalen Sinnlosigkeit des heutigen Opern- und Theaterbetriebs auf…

Saimir Pirgu begann den Alfred lyrisch-verhalten und brachte sich damit um die Möglichkeit, glanzvoll in die Rolle einzusteigen. Ab dem zweiten Akt gab er dann – mit Power und Timbreschönheit – dem Alfredo die Strahlkraft, die er benötigt, wobei er den Ballakt besonders gut spielte, betrunken, aggressiv, dann niedergeschmettert. Das war alles in allem eine eindrucksvolle Leistung.

La_Traviata_70889_Bilyy xx Vitaliy Bilyy

Als Einspringer debutierte der Ukrainer Vitaliy Bilyy in der Rolle des Père Germont am Haus, eine markige, etwas raue Stimme, eine geradlinige Darstellung.

Von den Nebenrollendarstellern – an der rollendebutierenden Flora nahm man nur eine so dramatische Haartracht wahr, dass sie irgendwie zwischen pathetisch und lächerlich wirkte – ragte eigentlich nur Dan Paul Dumitrescu hervor, vom Fürsten Chowanski auf den guten Doktor zurückgestuft, aber scheinbar um ein gutes Stück „gewachsen“ und stimmlich angenehm unüberhörbar.

Das Publikum ließ sich vor allem von der Hauptdarstellerin hinreißen, verteilte am Ende den Applaus gerecht, stark für die drei Hauptdarsteller, während man um den Dirigenten gewissermaßen noch nicht viel Wasser machte. Das kann sich ja noch ändern.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken