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WIEN/ Staatsoper: LA FILLE DU REGIMENT. Luciano à Juan Diego à Xabier oder 18 Cs

Staatsoper, 4.11.2026 La Fille du Régiment. Luciano à Juan Diego à Xabier oder 18 Cs

La Fille du régiment - Wikidata

Laurent Pellys klare, humorvolle Inszenierung der Regimentstochter kommt viel herum, erfreulicherweise findet sie immer wieder auch nach Wien, und das meist in interessanten, neuen Besetzungen. Wenn dann auch im Graben mit Evelino Pidò einer der größten Routiniers des Belcanto waltet und sich auf ein animiertes Orchester mit exquisiten Soli (Konzertmeisterin, Solocellist, Englischhorn) verlassen kann, passt grundsätzlich mal alles.

Es braucht aber auch Topsänger dazu, und wenn auch Stephanie Houtzeel als Marquise de Berkenfield schon recht wackelig tönt und – aber das ist eine reine Sprechrolle – die im TV immer voll überzeugende Brigitte Kren als Duchesse de Crakentorp nicht das Maximum an Bühnenpräsenz (und Textsicherheit) repräsentiert, sind die übrigen Rollen hervorragend besetzt. Marcus Pelz als Hortensius entzückt so sehr, wie es eine Nebenrolle zulässt, aus dem Chor, der als Kollektiv äußerst genau singt und besonders animiert spielt, ergänzen Ferdinand Pfeiffer und Jurai Kuchar mit ihren solistischen Stichworten bestens. Aber das Hauptrollentrio ist nachgerade konkurrenzlos. Das ist bei Erin Morley, deren Marie immer präsent ist – manchmal etwas zart, aber stets eine komödiantische Glanzleistung, frech, dominant und doch auch sehr sensibel, eine kleine Überraschung und bei Pétér Kálmans raumfüllenden, bärbeißig herzlichen Sulpice eine große.

Keine Überraschung ist Xabier Anduagas Tonio. Auf ihn hat man sich gefreut, seit er zum ersten Mal bei einer Spielplanpräsentation (2023? 2024?) auftrat. Sein bubenhafter Charme, seine jugendliche Erscheinung sind schon „die halbe Miete“, aber dann die Stimme! Das ist erwartungsgemäß in erster Linie „Ah, mes amis“ mit den berühmten 9 Cs. Das werden bei ihm 18 Cs, weil ihm das Publikum ein Bis abringen kann. Und jedes einzelne C ist kraftvoll, mit Körper und sie werden von Nr. 1 bis Nr. 18 immer noch strahlender. Da hat einer in jungen Jahren als Tonio schon das „Erbe“ von Pavarotti und Florez angetreten. Aber auch die lyrischeren Nummern (die letzte Kavatine mit herrlichen Kopfstimmen-Piani) und die pointierten Ensembles gelingen ihm in beeindruckender Vollkommenheit. Kein typischer, leicht anämischer Tenore di Grazia, sondern ein klanglich sehr männlicher Tenor mit Körper. Möge er Alfredo und Duca noch nicht zu oft singen, sondern Zurückhaltung üben, damit die Karriere so lang kann wird wie jene der genannten Rollenvorgänger. Es wäre schön, ihn noch Jahrzehnte genießen zu können.

Robert Fucik

 

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