04.11.2026 Wiener Staatsoper „Die Regimentstochter“

Die Zuschauer der ersten Vorstellung der Spielserie werden uns beneiden, statt 9 Cs doppelt so viele gehört zu haben. Doch der Reihe nach. Die bewährte Produktion von Laurent Pelly ist passend und angenehm unaufgeregt wie vor zwanzig Jahren. Anti-Militaristen können sich immer noch darüber aufregen, dass man so schöne Musik in Verbindung mit Krieg schreiben kann, aber Donizetti und seine Zeitgenossen hatten wenig Bedenken, auch die Tristesse des Krieges in dieser Form darzustellen. Im Übrigen müsste man aus diesem Grund einen Großteil der Werke einstampfen, eine andere Form der Missachtung, die meist gewählt wird, ist, den Inhalt und die Personen lächerlich zu machen. Nichts davon geschieht hier. Diese Oper hat ein Zentrum, das sind die berühmt-berüchtigten 9 Cs des Tonio. Ein neuer Stern am Tenorhimmel, Xabier Anduaga, schaffte diese Herausforderung an jeden Sänger mit einer Bravour, die sprachlos macht (nicht ihn). Mit perfekter Technik, Leichtigkeit und Volumen in Verbindung mit Kraft und Ausdauer sang er diese Arie. Das Publikum, vorgewarnt, dass es vielleicht ein Da Capo geben könnte, klatschte so lange und enthusiastisch, dass Anduaga wohl nicht anders konnte, als den Wunsch zu erfüllen. Sein Pech, dass er das nun wohl bei jeder Vorstellung machen wird müssen. Um bei ihm zu bleiben, seine klare und sehr modulationsfähige Stimme stellte sich bei Duetten und Ensembles stets in den Dienst der Sache und trumpfte nicht auf, wo es möglich, aber nicht notwendig war. Die Titelrolle, verkörpert durch Erin Morley, kam da zu Unrecht etwas zu kurz. Ihre sehr lyrisch vorgetragenen Koloraturen, waren ein weiterer Pluspunkt des Abends. Zu Beginn wirkte ihr Vortrag etwas zurückhaltend, aber das gab sich im Laufe des Abends. Peter Kalman war als Sulpice eine stimmlich sehr ansehnliche Stütze des Ensembles. Seine Komik bezwang selbst die strenge Marquise de Berkenfield, Stephanie Houtzeel. Brigitte Kren war als Herzogin von Crakentorp (ältere Opernfreunde erinnern sich vielleicht an die unvergessene Ljuba Welitsch an der Volksoper, die das Craaaakentorp stets betonte) aufgeboten. Evelino Pido dirigierte das ausgezeichnet disponierte Orchester mit Umsicht. Das Publikum feierte diesen Festtag mit großer Begeisterung.
Johannes Marksteiner

