Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: LA CLEMENZA DI TITO – barfuß auf Mozarts Spur. Premiere

Staatsoper: „La clemenza di Tito“ – barfuß auf Mozarts Spur am 9.3.2026

tittu
Foto: Youtube-Video

Von wo holt sich die Staatsoper die Regisseure, die kreativen Köpfe für ihre Neuinszenierungen? Das Eigenbau-Markenzeichen AUSTRIA gibt es schon länger nicht mehr. Nun, aktuell, Wolfgang Amadeus Mozarts „La clemenza di Tito“ ist in einer neuen Inszenierung wieder zu sehen. Und mit dem Belgier Jan Lauwers ist ein hier nicht bestens Bekannter, doch ein keineswegs Unbekannter der Wiener Oper beigestanden. Als Inszenator und sein eigener Bühnen- und Kostümbildner, assistiert von Helfern aus der von ihm 1986 gegründeten Brüsseler Needcompany (wiederholt erfolgreiche Gäste von ImpulsTanz).

Lauwers ist ein interessanter Senior des ‚postdramatischen Theaters‘, modisch gesagt. Seine weltweit herumgereichte Needcompany hatte sich als ‚Kollektiv eigenwilliger Theatermacher‘ (so die Selbstdarstellung) vor vierzig Jahren in Brüssel etabliert. Kann heute wohl nicht mehr als modern verkauft werden, aber in der Dramaturgie wird ausnahmslos nach originellen Ansatzpunkten gesucht. „La clemenza di Tito“ ist ein heikles Werk. Erzählt von nicht so ganz klar überschaubaren Liebesbeziehungen, Konflikten, Besitzergreifung und absoluter Herrschaft in einer Folge anspruchsvoller herrlicher Arien. Fordert thematisch somit auch zu aktueller Zeitkritik heraus. Doch: In Mozarts letztem Lebensjahr zeitgleich mit der „Zauberflöte“ komponiert, musste er für diese im Auftrag gegebene Krönungsoper für Leopold II., uraufgeführt in Prag im September 1791 unter seiner Leitung, auf ein früheres Libretto des habsburgischen Haus- und Hofdichters Metastasio (geschrieben1734 für Antonio Caldara) in groben Zügen zurückgreifen. Und der sich so gnadenvoll erweisende römische Kaiser Titus klingt nicht nach dem aufwühlenden „Don Giovanni“, lässt nicht an die spielerische „Zauberflöte“ denken, sondern strahlt eine Reinheit aus, wie solch eine unantastbare Schönheit Mozarts Opern in jugendlichen Jahren gegeben war.

Lauwers hat es sich für seine Interpretation eher einfach gemacht. Ein etwas gehobenes leicht schräges Podest auf der sonst leeren Bühne, große Projektionsflächen für nicht allzu erzählerisch stimmig wirkende abstrakte Bilderfolgen. Und wie schafft er es Bewegung in diese überhöhende musikalische Huldigung zu bringen? Immer und immer wieder wird eine über die Bühne vorne und hinten und so zwischendurch herumschwirrende Tänzerin von einer Schar ungustiöser Widerlinge gedemütigt und gefoltert. Bereits zur Ouvertüre, so völlig konträr zu den edlen Klängen, werden diese Vergewaltigungsexzesse drastisch ausgeführt.

Sehr Mozart-stimmig klingt es hingegen aus dem Orchestergraben unter Dirigent Pablo Heras-Casado. Und gesanglich überzeugen auch die darstellerisch von Lauwers zu höchst expressiver Rollengestaltung geforderten Hanna-Elisabeth Müller als Vitellia und in Hosenrollen Emily D’Angelo (Sesto) und Cecilia Molinari (Annio). Doch ….laufen da nicht alle Solisten wie auch der skurril tänzelnde Bewegungschor auf Mozarts Spuren barfuß über die Bühne? Nur der in der Titelrolle stimmlich noch nicht so voll ausgereifte Jungtenor Katleho Mokhoabane, teils auf einem Rollstuhl gefesselt, scheint davon ausgenommen zu sein. Und schon wieder, noch und noch einmal huscht dieses weibliche Opfer verzweifelt oder sich auch aufbäumend durch die Weite des Raumes. Solch Eindruck könnte da verbleiben: Wirkt Lauwers Regiekonzept zu Mozart seelischer Klangwelt nicht wie eine modische Paraphrase, auf eine eher geistige Tiefebene versetzt?

 

 Rüdenauer

 

Diese Seite drucken