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WIEN/ Staatsoper: LA CLEMENZA DI TITO –

Wiener Staatsoper: La Clemenza di Tito

Wiener Staatsoper, 29.9.2026

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Im Vergleich zu den drei Da Ponte-Opern fristete die „Clemenza“ über viele Jahre hinweg ein Mauerblümchen-Dasein. Dies ist vielleicht auch dem Libretto von Pietro Metastasio/Caterino Tommaso Mazzola geschuldet, das wahrlich nicht nobelpreiswürdig ist. Und ich denke, dass die Wiener Staatsoper für das Werk einfach zu groß ist – ein intimerer Rahmen wie zum Beispiel das Theater an der Wien würde der Oper besser zu Gesichte stehen.

Der Abend hinterließ einen zwiespältigen Eindruck, sowohl was die Regie von Jan Lauwers, das Dirigat von Cornelius Meister als auch die Gesangsdarbietungen betrifft.

Wieder einmal traute der Regisseur nicht der Kraft der Ouvertüre und bebilderte sie mit – ja, mit was? Tänzer warfen im wahrsten Sinne des Wortes Miriam Budzková auf den Boden, durch die Luft etc. etc. – was das zum Verständnis des Stückes beitragen sollte, das hat sich für mich nicht erschlossen. Fast während des gesamten ersten Aktes waren im Hintergrund Tänzer zu sehen, auch der Chor wurde quasi zu konvulsivischen Zuckungen verdonnert. Wollte der Regisseur damit von den Schwächen des Librettos ablenken? Wir werden es wohl nie erfahren – wie schon oben erwähnt, zum Verständnis des Stückes trug das nichts bei.

Lauwers war auch für die Bühne verantwortlich – die aus einem Parkettboden bestand…

Es war aber nicht alles negativ, was zu sehen war. Die Einspielung von Stummfilmen während des Aufstandes war sehr gelungen, auch dass der Chor von der Vogelperspektive gefilmt und auf die Leinwand projiziert wurde fand ich beeindruckend!

Cornelius Meister, der nicht nur dirigierte, sondern auf das Hemmerklavier spielt, gelang es nicht, die Rezitative, die besonders in Mozart-Opern so wichtig sind, zu einem Spannungsbogen aufzubauen. Da wäre viel, viel mehr drinnen gewesen (auf der anderen Seite habe ich noch selten bei Rezitativen so ein Vibrato wie bei Hanna-Elisabeth Müller gehört). Seine Arbeit mit dem Orchester war korrekt, aber mehr als durchschnittlich würde ich die Arbeit des Orchesters nicht bewerten.

Ich habe schon Frau Müller erwähnt – sie war für mich enttäuschend und klang in der Höhe etwas scharf. Sie spielte gut, aber insgesamt sah ich schon beeindruckendere Vitellias. Kate Lindsey (Sesto) wird immer wieder als eine der „wichtigsten Sängerinnen ihres Fachs“ bezeichnet – nun, ich würde mir wünschen, dass sie mehr Tiefe hätte – da war sie teilweise kaum hörbar. Allerdings gelang ihr nach der Pause eine Steigerung, die dann beim Schlussapplaus vom Publikum auch gewürdigt wurde.

Apropos Publikum – die Vorstellung möge vielleicht ausverkauft gewesen sein, doch auf der Galerie sah ich zuhauf leere Plätze.

Zurück zu den Sängern – Slavka Zamecniková und die immer besser werdende Patricia Nolz waren unterm Strich das überzeugendere Paar. Beide Sängerinnen sind noch jung und könnten durchaus den Kern eines zukünftigen Wiener Mozart-Ensembles bilden.

Mikola Majtanova als Berenice war rollendeckend, ebenso Peter Kellner, der in anderen Rollen besser zur Geltung kommt.

Meine erste Begegnung mit Katleho Mokhoabane war eine positive. Ich konnte es kaum glauben, dass dieser Koloss eine derartig lyrische Tenorstimme besitzt. Er gab dem Tito wirklich die Aura, die diese Figur dem Libretto entsprechend haben sollte. Eine ganz feine Leistung  – zusammen mit Lindsey erhielt er den größten Schlussapplaus. Und mit was? Mit recht!!!

Insgesamt ein etwas zwiespältiges Resümee, mögen wir aber in dieser Saison keine schlechteren Vorstellungen haben.

Kurt Vlach

 

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