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WIEN / Staatsoper: LA CLEMENZA DI TITO

11.05.2014 | Oper

 

WIEN / Staatsoper: 
LA CLEMENZA DI TITO von W. A. Mozart
10. Aufführung in dieser Inszenierung
11. Mai 2014   

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Chen Reiss. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

Für die erst zehnte Aufführung dieser matten Flimm-Inszenierung (die man als „so la la modern“ bezeichnen kann) hätte es ausschließlich neue Besetzungen der sechs Rollen gegeben, wenn die Einspringerin der ursprünglich vorgesehenen Sängerin nicht auch erkrankt wäre – also griff man auf Chen Reiss, die Premierenbesetzung der Servilia, zurück. Den Mozart-Glanz blieb sie ebenso schuldig wie alle anderen Beteiligten an dieser Nachmittagsvorstellung – und das kann man nicht nur, aber doch auch dem Dirigenten Adam Fischer anlasten.

Er, der Wagner so spannend machen kann, stand vor einer demonstrativ geschlossenen Partitur am Pult, und man glaubt ihm gern, dass er das Werk auswendig kann (und wenn nicht alle Ensembles lupenrein klingen, ist es nicht immer des Dirigenten Schuld). Aber der Abend (Nachmittag) schleppte sich über weite Stellen lähmend dahin, und man wünschte, das Temperament, zu dem Adam Fischer erst ganz zum Finale fand, hätte schon früher gewaltet.

Nun hat man es ja mit „Clemenza di Tito“ wirklich nicht leicht, wo Mozart seine Genialität aus dem Zwang der Gegebenheiten hinter so viel Konventionellem versteckt hat. Es ist halt ein so „braves“ Werk, das dem Herrscher immer versichern muss, wie gut und milde er zu sein hat (Kaiser Leopold II., der Angesprochene, hat das bekanntlich nicht so gern gehört, und seine Angetraute nannte den „Titus“ wie erinnerlich „una porcheria tedesca“– offenbar war ihr die Schweinerei nicht italienisch genug.) Die Sänger müssen ihrerseits an Stimm- und Persönlichkeitsansatz ein Vielfaches dessen leisten, was ihnen bei anderen Mozart-Opern abverlangt wird, wo der Komponist schon a priori für die Pracht gesorgt hat…

Diesmal hatte man nur bei Toby Spence, dem Interpreten der Titelrolle, halbwegs den Eindruck, dass er sich für sein Schicksal und dessen Problematik auch interessierte. Umso trauriger, dass sein Tenor eindeutig an Schönheit eingebüßt hat, flacher und härter geworden ist, wenn auch die fraglose Kompetent des berufenen Mozart-Sängers immer durchleuchtet.

Véronique Gens brachte für die Vitellia zwar eine beneidenswerte Figur mit (wahrscheinlich konnte sie in die Banse-Kostüme schlüpfen, ohne dass man Nähte herauslassen musste), aber sie war eine glatte Unterbesetzung für die Rolle. Diese Dame glüht in irgendeiner Form, wann immer man ihr begegnet, vor Leidenschaft, vor Haß, vor Rachsucht, vor Scham, aber große Emotionen hörte und sah man diesmal nicht, überfordert hingegen klang so manches.

Michèle Losier debutierte als Sesto an der Wiener Staatsoper, und sie war ein sympathischer „junger Mann“, sang mit mehr oder minder verhaltenem Mezzo  ihren Part sehr brav, aber dass das immerhin eine der großen Hosenrollen der Opernliteratur ist, merkte man kaum.

Margarita Gritskova, die vor nicht allzu langer Zeit als Dorabella so besonders gut gefallen hat, kam mit dem hoch liegenden Annio nicht so gut zurecht, so sehr sie sich auch spürbar bemühte.

Das dünne Silberstimmchen von Chen Reiss ist für unseren Direktor stets Mozart-premierenreif (zuletzt auch in „Zauberflöte“, demnächst in „Idomeneo“), und da kann man dem Meister-Direktor nur sagen, „nicht jeder eure Meinung teilt“.

Alessio Arduini als Publio hat nicht viel zu singen und zu spielen, aber was man hört und sieht, hat Format.

Selbst wenn man kein übertriebener Fan von „Titus“ ist (man kann und muss ja nicht alles gleich mögen) – da wäre mehr drin. Eine Aufführung wie diese bringt bestenfalls, na sagen wir großzügig 70 Prozent dessen, was das Werk geben kann.

Renate Wagner

 

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