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WIEN/ Staatsoper: LA BOHÈME mit „Rückkehr“ der Netrebko

05.09.2022   Wiener Staatsoper:    „La Bohème“

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Vittorio Grigolo. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

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Nachdem die Staatsoper gezwungen war, „La Juive“ wegen Erkrankung von Sonya Yoncheva und Roberto Alagna, abzusagen, fand man Ersatz in einem Evergreen der Opernszene, „La Boheme“. Das Engagement von Anna Netrebko für die Titelrolle stellte ein gewisses Risiko dar, denn aufgrund ihrer erst spät ganz klaren Einstellung zum Ukraine-Krieg ist sie bei manchen Institutionen und Musik-Liebhabern unten durch. Die Spannung war groß, wie das Publikum ihr Auftreten werten würden, die Zahl der Buh-Rufe beim Betreten der Bühne war aber überschaubar. Es war also kein Repertoire-Abend wie viele andere. Alle bemühten sich, zum Allerbesten noch einiges hinzuzufügen, was dann manches Mal etwas zu viel des Guten war. Das Orchester unter dem kundigen Bertrand de Billy spielte treffsicher und (zu) laut. Diese Oper verlangt doch auch gedämpfte Klänge und keine Klangexplosionen. Mit Vittorio Grigolo stand ein erstklassiger Rodolfo auf der Bühne, einer der wenigen italienischen Tenören zur Zeit, der vor Kraft strotzte und seinen höhensicheren Tenor mit Bravour – aber auch gelegentlich mit etwas zu viel Temperament – einsetzte. George Petean war ein hervorragender Marcello, Günther Groissböck eine Luxusbesetzung für den Colline, Martin Häßler ein tapferer Schaunard und Nina Minasyan eine ausgezeichnete Musetta mit glasklarer Höhe und temperamentvollem Auftreten.

Und der Star des Abends: War natürlich Anna Netrebko. Es ist erstaunlich, dass sie aus dem Fach, das ihr am besten liegt, fast gänzlich verschwunden ist. Gerade als Mimi spielte sie ihre Stärken besonders aus, das warme Timbre, die Kraft für diese Rolle, auch die Spitzentöne kamen perfekt, und zuletzt konnte sie auch in der Sterbeszene durch berührendes Spiel überzeugen.

Ein spannender Abend wurde mit sehr viel Applaus bedacht, wenige Buhs auch am Schluss konnten aber den positiven Gesamteindruck nicht schmälern.

Johannes Marksteiner

 

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