30.06.2026 Wiener Staatsoper „Il Trittico“ zum Saisonschluss

Zum Saisonausklang wurde dem heftig schwitzenden Publikum eine zumindest musikalisch hochwertige Aufführung von Puccinis eher selten gespieltem Dreiteiler geboten. Tatjana Gürbaca, in Wien nicht gerade Garant für tolle Inszenierungen, bot mit sparsamsten Mitteln, viel grauen Beton, wenig Inventar und Allerwelts-Nicht-Kostümen Stehtheater vom Feinsten. Konzertant aufgeführt wäre die Wirkung kaum schlichter gewesen. In diesem trostlosen Ambiente spielte „Il Tabarro“ im Nirgendwo, eine Eifersuchtstragödie mit wenig Tiefgang. Amrogio Maestri sang den Michele mit wenig Temperament, stimmlich aber hervorragend. Nicole Car setzte als Giorgetta ihren kräftigen Sopran sehr wirkungsvoll ein, blieb aber darstellerisch etwas unter ihren Möglichkeiten. Arturo Chacon-Cruz holte aus der Rolle des Luigi das Maximum heraus, sein strahlender Tenor beherrschte das Bühnengeschehen mit Kraft und sicherer Höhe.
„Suor Angelica“ kann man als Solo für einen dramatischen Sopran bezeichnen. Diese Rolle war mit Nicole Car bestens besetzt. Die Kraftreserven dieser Sängerin dürften unbegrenzt sein, ihre Ausbrüche erforderten diese aber auch. Der Einwand „weniger wäre mehr gewesen“ soll nur als kleiner Einwand gelten. Violeta Urmana war als böse Tante sehr eindrucksvoll. Auch in diesem Werk war die Schlichtheit der Bühne – einer klösterlichen Umgebung – ziemlich übertrieben.
„Gianni Schicchi“ böte Gelegenheit, italienische Komödiantik auf die Bühne zu bringen. Das ist, wenn es von der Regie überhaupt gewollt war, nicht gelungen. Ein Haufen bunt gekleideter Verwandter des reichen Verblichenen schafft Chaos, das leider von der Musik zu sehr ablenkte. Ambrogio Maestri sang die Titelrolle sehr gekonnt, ließ aber die komische Seite seiner Rolle etwas zu kurz kommen. Für Nicole Car war Lauretta ein zu großer Sprung von der Hochdramatik zum weichen Schöngesang. Das berühmte „O mio babbino caro“ hat man schon sehr viel weicher und inniger gehört. Kang Wang sang den Rinuccio mit angenehm weichem Tenor.
Lorenzo Viotti war ein souveräner Leiter des aufopferungsvoll spielenden Orchesters, das die Sommerpause genauso herbeisehnte wie das Publikum.
Johannes Marksteiner

