WIEN/ Staatsoper: IL TRITTICO am 30.6. 2026

Deckengewölbe (Ausschnitt) Paris-Garnier von Marc Chagall. Foto: Thomas Prochazka
I
II.
Il tabarro: kein Paris; keine Seine; keine Abendstimmung; auf-, nicht dargestellte Beziehungen der Personen zueinander; keine Tiefenstufung. Dafür Herumgestehe auf der Vorderbühne mit obligater Verdopplungskarawane im Hintergrund. Hin und wieder fällt was vor: die Parodie eines Liebespaares beispielsweise. Ein Ballonverkäufer mit Revue-Girls in Billigfummeln. (Genie.)
III.
» Kindergeburtstag « bei Suor Angelica statt Konzentrat der Emotionen. Blumenauslegen und Malen als Beschäftigungstherapie im Konvent. Zersplitterung statt Konzentration und Kontraktion. Keine Bündelung der Kräfte. Morgenappell im Hühnerstall; Antreten in Reih’ und Glied: Familienaufstellung mit Äbtissin. Danach trat vor, wer etwas beizutragen hatte. Jour fixe-Rituale.
Ein Spiegel wird zertrümmert. Welcher Spiegel? Jener, mit dessen Scherben Suor Angelica ihr Leben endet. Bei Puccini doch aber: Gift. (Als Konventspharmazeutin.) — Gift? Für die Spielvogtin undenkbar: viel zu nah am Original.
Umdeutung der Principessa in eine Sadistin: Der totgeglaubte Sohn macht seine Aufwartung; ganz ohne Erscheinung. (Religion paßt nicht zum geforderten Bühnensozialismus.) So setzt man Suor Angelicas Apotheose heute um. Die Szene: dem Publikum keine Hilfe, den Sängern Beschwernis. (Genie.)..
https://dermerker.com/index.cfm?objectid=6A625632-AFDB-6DB2-F3922B60AE34D47A
Thomas Prochazka/ www.dermerker.com

