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WIEN/ Staatsoper: HÄNSEL UND GRETEL. Wiederaufnahme

Wiener Staatsoper: 2.1. 2026: HÄNSEL UND GRETEL , Wiederaufnahme

Hänsel und Gretel – Wikipedia

 Wie im Märchen

Ausverkauftes Haus, gut gefüllte Stehplätze, ein altersmäßig bunt gemischtes Publikum …

Was steht auf dem Programm? „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck.

Die Geschichte ist bekannt, die Musik unterstreicht sie nachdrücklich.

Cornelius Meister, der Dirigent der neuen Aufführungsserie dieser Oper, führte das Orchester der Wiener Staatsoper engagiert durch den Abend. Die Musik erklang fröhlich und unbeschwert sowie leise und geheimnisvoll und Meister bewirkte an diesem Abend eine durchgehende Spannung. Die symphonischen Passagen waren wunderbar.

Regisseur Adrian Noble ließ sich von dieser Musik inspirieren und inszenierte entsprechend. Die unspektakulär eingesetzten wenigen Projektionen halfen z.B. sich den Wald, in dem sich die Kinder verirrten, gut vorzustellen. Nur zu Beginn fand ich die Geschehnisse auf der Bühne, die wieder einmal während eines Teils der Ouvertüre zu sehen waren, entbehrlich. Da hier nach einer Diavorführung letztlich zwei Kinder durch ein Bild in die Ferne verschwanden, könnte das eine Rahmenhandlung darstellen, die aber am Schluss kein Gegenstück fand.

Aber die weiteren zwei Stunden waren meiner Meinung nach ein voller Erfolg.

Die gänzlich neue Besetzung erwies sich als harmonisches Ensemble.

Gretel, Maria Nazarova, sang auch in der Höhe mit einer klaren, leichten Stimme und Hänsel, Alma Neuhaus, war mit ihrem dunkleren Mezzosopran ein ideales Gegenüber. Beide Sängerinnen passten ihre sonst sehr kräftigen Stimmen den Erfordernissen dieser Oper an und spielten auch rollenentsprechend. Hänsel und Gretel waren ein fröhliches, freches Geschwisterpaar, das im Wald und bei der Hexe sowohl ängstlich wie mutig agierte. Regine Hangler als Mutter sang manchmal ausdrücklich unschön, um ihre Frustration bzw. Verzweiflung deutlich zu machen. Unbekümmert und leicht beschwipst kam Clemens Unterreiner als Vater Peter Besenbinder auf die Bühne und setzte seinen kräftigen Bass ein. Dramatisch und beängstigend erzählte er dann von der Hexe im Wald.

Die als Sand- und dann als Taumännchen erscheinende Anna Voshege ließ ihre Stimme zunächst sanft und beruhigend sowie später sehr lebendig erklingen, um die Kinder zu wecken.

Witzig war die Idee von Noble, ein kleines Knusperhäuschen aus dem Bühnenboden kommen zu lassen, an dem die Kinder gemütlich knabbern konnten. Dem gegenüber erschien dann der bühnenfüllende Raum der Hexe mit einem langen blutbespritzten Tisch, einem riesigen Käfig und einem Backofen. Die Hexe, Michael Laurenz, bedrohte leicht krächzend die Kinder, konnte aber dann beim „Hexenritt“ seinen Tenor hören lassen. Ja, wie schon von anderen Rezensenten gesagt, war diese Szene eher komisch als furchterregend, aber auch Spaß muss sein! Der Geschichte entsprechend wurde die Hexe dann von Hänsel und Gretel in den feuerlodernden Ofen gestoßen.

Die Kinder der Opernschule durften mit Luftballons den Traum der Kinder im Wald versinnbildlichen und dann als befreite Lebkuchenkinder (die zunächst geschickt durch ihre Bekleidung als solche zu erkennen waren) fröhlich tanzend und ausgezeichnet singend Hänsel und Gretel in ihre Mitte nehmen.

Das gemeinsame Lied aller: „Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr sich gnädig zu uns neigt!“ führte zu einem sehr berührenden Happy End.

Es gab großen Applaus für alle auf der Bühne sowie einen extra Applaus für das hervorragende Orchester unter dem Dirigat von Cornelius Meister. Das war ein gelungener Opernabend für Groß und Klein!

Monika Harrer

 

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