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WIEN/ Staatsoper: HÄNSEL UND GRETEL

02.12.2015 | Oper

Wiener Staatsoper. 1.12.2015 „HÄNSEL UND GRETEL“, diesmal ohne Christian Thielemann

Es war die 5. Aufführung in dieser Inszenierung.


Foto: Barbara Zeininger

Es ist sicher schwer, ein ebenbürtiges Dirigat nach Thielemann zu bieten. Patrick Lange agierte an diesem Abend am Pult. Ich persönlich kann keine Vergleiche ziehen. Besonders beeindruckt hat mich die Art seines Dirigierens nicht, er machte so etwas wie Dienst nach Vorschrift.

Auf die Sänger/Sängerinnen nahm er wenig bis gar keine Rücksicht, übertönte die die nicht stimmkräftig genug waren. So geschehen bei Hänsel, Margaret Plummer, Mezzosopran. Die Sängerin ist vom Typ her, – hemdsärmelig, burschikos und beim Tanzen reizend ungeschickt- ideal, ihr Mezzo konnte mit ihrer schauspielerischen Rollengestaltung nicht ganz mithalten. Dank Patrick Lange war auch nicht viel von ihr zu hören. Schade.

Adrian Noble, der Regisseur, bringt mit der Märchenoper auch die soziale Situation der Arbeiter Ende des 19. und Anfang des 20. Jhdts. ins Geschehen. Die Einführung ins Märchenoper-Fach mit Laterna Magica und einer viktorianischen Familie, deren Kindern Hand in Hand in die Märchenoper spazieren, ist und nur Anfang vieler reizend inszenierten Szenen.

Der Ausstatter Anthony Ward agierte mit Pantomime (Traum) und Logik, wie er selbst beschreibt, und auf dieser Basis entstand das Bühnenbild/ die Bühnenbilder, die ganz märchenhaft sind. Das gilt genauso für die Kostüme.

Chen Reiss, Gretel, agierte stimmstärker als Hänsel. Ihr Sopran war gut geführt, ihre Darstellung kindgerecht; sie war eine richtig „liebe Gretel“. Patrick Lange konnte sie nicht überspielen . Sie tanzte, lachte, sang mit schönem Sopran und schob die Hexe in den Ofen.

Die Knusperhexe“, Michaela Schuster, Mezzosopran, kreischte hexenmäßig ihre Verwünschungen und Sprüche, in Abwechslung mit den rollengemäßen heuchlerischen Schmeicheleien. Vom Aussehen her glich sie eher einer Oberlehrerin mit Brille und irritierend blutiger Schürze. Vom Gesang her war sie nicht wirklich wortdeutlich und stimmstark.

Gertrud Besenbinder, Janina Baechle, ist die glaubhaft dargestellte überarbeitete und gestresste Mutter, die ihre Kinder vor Zorn über einen zerbrochenen Krug in den tiefen Wald hinausjagd; und das im Nachhinein bereut. Ihr Mezzo klang wirklich erschöpft und überfordert.

Peter Besenbinder, Adrian Eröd, scheint das Leben leichter zu nehmen, sein Bariton voller Klangfarben klingt -trotz armseliger Lebensverhältnisse- froh und (ange)heiter(t). Gemeinsam machen sich die Eltern auf, die Kinder im düsteren Hexenwald zu suchen.

Annika Gerhards war ein graziles Sand- und Traummänchen in einer Person.

Für das Licht hat Jean Kalman erfolgreich die Regie übernommen. Andrzej Goulding zeichnet für die Erweiterung des Bühnenbildes durch Videoeinspielungen.

Die sehr präzise Choreographie stammt von Denni Sayers und die Leitung des perfekt einstudierten Kinderchores hat Johannes Mertl.

Alles in allem war es -trotz ein paar Kritikpunkten- ein großes schönes Opernereignis, das viel beklatscht wurde.

Charlotte Pohl

 

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