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WIEN/ Staatsoper: GÖTTERDÄMMERUNG – triumphaler Abschied Nina Stemmes von der Brünnhilde

WIEN / Staatsoper: „GÖTTERDÄMMERUNG“ – 29.05.2022

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Nina Stemme. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Ähnlich wie schon zuvor im „Siegfried“ präsentierte sich das Orchester der Wiener Staatsoper neuerlich in Bestform. (Man kann gar nicht glauben, dass dieses Orchester am Abend zuvor derart miserabel Bellini gespielt hat…) Axel Kober hat diesmal wieder etwas weniger auf Lautstärke gesetzt und sich wieder mehr von der sängerfreundlichen Seite gezeigt. Nur in den orchestralen Zwischenspielen (Siegfrieds Rheinfahrt, Trauermarsch) hat er dann das Orchester so richtig lautstark auftrumpfen lassen. Eine Leistung, die am Ende dann auch vom Publikum entsprechend gewürdigt wurde.

Mit diesem Ring-Zyklus nahm Nina Stemme Abschied von der Brünnhilde. Im Vorspiel und im ersten Aufzug klang ihre Stimme noch etwas schwer und vibratoreich und so mancher Spitzenton geriet scharf. Aber sie steigerte sich von Akt zu Akt. Bereits im zweiten Aufzug war sie wieder in Hochform und im dritten Aufzug sang sie mit ihrem breiten, warmen Sopran einen überwältigenden Schlussgesang.

Leider gönnte man ihr bei ihrer letzten „Götterdämmerung“ nicht ihren langjährigen Ring-Partner Stephen Gould an ihrer Seite. So sang wieder Michael Weinius den Siegfried, erneut mit vielen (zum Teil sehr komischen) Textfehlern. Vom Alberich zum Wotan haben sich ja schon manche Sänger hinaufgearbeitet, aber vom Alberich zum Siegfried schaffte es meines Wissens nach bisher noch kein Sänger an der Wiener Staatsoper. Von 1993 bis 2004 sang Weinius Baritonpartien, darunter den Alberich, bevor er ins Tenorfach wechselte. Die Stimme klingt nicht groß, fast eher wie ein Charaktertenor und nicht wie ein Heldentenor, und er hat massive Höhenprobleme, einige hohe Töne hat er, wie bereits im „Siegfried“, überhaupt ausgelassen. Leider war er Nina Stemme kein gleichwertiger Partner.

Gewechselt hat auch Alberto Dohmen seine Position im Ring; nach dem Wotan und dem Alberich ist er jetzt beim Hagen gelandet und ist alles andere als eine Idealbesetzung dafür. Es fehlt im dafür einfach an Bassschwärze und auch an Volumen in der Tiefe. So schwach haben wir Hagens Mannenrufe im zweiten Aufzug noch selten gehört.

Dafür konnte Jochen Schmeckenbecher mit seinem kurzen Auftritt als Alberich wieder überzeugen.

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Regine Hangler (Gutrune), Clemens Unterreiner (Gunther). Copyright: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Bei den Gibichungen beeindruckte Clemens Unterreiner, obwohl der Gunther bestimmt eine Grenzpartie für ihn ist, mehr als Regine Hangler, die als Gutrune nur schrill und scharf klang.

Die beste Gesangsleistung neben Nina Stemme erbrachte Szilvia Vörösz. Leider wollte Brünnhilde nicht auf die Warnrufe ihrer Schwester hören, obwohl die ungarische Mezzosopranistin die Erzählung der Waltraute mit prächtigem Stimmmaterial und großem Ausdruck gestaltete.

Bei den Rheintöchtern übertönte Woglinde (Joanna Kędzior) leider ihre beiden Gefährtinnen (Patricia Nolz als Wellgunde und Stephanie Maitland als Flosshilde). Inhomogen klangen die drei Nornen (Noa Beinart, Stephanie Houtzeel, Regine Hangler).

Sehr homogen und stimmgewaltig waren hingegen Chor und Extrachor der Wiener Staatsoper.

Es gab wohl keinen im Zuschauerraum, der nicht mitbekam, dass er einem wirklich außerordentlichen Moment beiwohnte, als Nina Stemme zum letzten Mal anordnete starke Scheite zu schichten. Nach dem Verklingen des letzten Tons herrschte eine gefühlte Ewigkeit Totenstille, bevor dann begeisterter Applaus und unbeschreiblicher Jubel beim Erscheinen Nina Stemmes vor dem Vorhang losbrauste.

Walter Nowotny

 

 

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