14.6.26 „Götterdämmerung“, Staatsoper, „Abschied vom Ring?“

Ob dem Sven-Eric Bechtolf-„Ring“ mit dieser „Götterdämmerung“ das letzte Stündlein geschlagen hat, weiß nur das sprichwörtliche Mäuschen, dessen Urahnen seit 1869 die Direktionsräume der Staatsoper bewohnen. Aber die haben dort schon an so vielen Verträgen genagt, dass es ihnen herzlich egal ist, ob gerade Sonntag oder Mon(d)tag ist.
Aber berechtigterweise würde seitens der Staatsoper ohnehin heftig dementiert werden, dass es dieses Mäuschen überhaupt gibt. Insofern ist das eifrige Gerede über einen neuen „Ring“ im Haus am Ring ab übernächster Saison natürlich nur Spekulation. Der Regisseur des jetzt verabschiedeten oder doch nicht verabschiedeten „Rings“ – Sven-Eric Bechtolf – hätte mit dem Mäuschen aber sicher ein gutes Auskommen gefunden: Bechtolfs „Ring“ hat sich eine Naivität bewahrt, die juvenile Züge trägt.
Bezogen auf die „Götterdämmerung“ lässt sich diese Sicht zum Beispiel an der Figur des Hagen ablesen. Bei Bechtolf ist Hagen ein eher jugendlich wirkender, ränkeschmiedender Intrigant. Er betätigt sich als heldischer Speerschwinger und zugleich alberner Zeichengeber, der etwa linkisch bemüht ist, Gutrune und Gunther klar zu machen, was sie Siegfried antworten sollen – oder wenn er sich gar als Mannendirigent versucht….
Das Publikum ließ sich nach Verklingen des letzten Tons sogar zu einigen Sekunden betroffener Stille hinreißen (wenige einsetzende Klatscher verstummten wieder). Der starke und teils enthusiastische Schlussbeifall dauerte zumindest eine Viertelstunde lang. (Ich habe das Ende des Applauses nicht abgewartet.)
http://www.operinwien.at/werkverz/wagner/agoetter16.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

