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WIEN/ Staatsoper: GÖTTERDÄMMERUNG . Alles, was ist, endet

Götterdämmerung 14.6.2026

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Alles, was ist, endet

Das sagt uns schon Erda und nun trifft es auch auf Sven Eric Bechtolfs Ring des Nibelungen zu, war doch diese Götterdämmerung der letzte Abend dieser Produktion. Da war nicht viel an Deutung, aber alles, was nötig ist, um Sängern den Raum für ihre Rollengestaltung zu geben. Erinnern wir uns ein letztes Mal an die Ausstattung, so bleiben die Christbaummarkttannen des Walkürenfelsens, die Stelen des zweiten Akts, die mit dem (stimmgewaltigen) Chor um Bewegungslosigkeit konkurrieren und die chaotisch auf- und niederfahrenden Podeste der letzten Szenen, die am Ende mit gescheiten Projektionen versöhnen, in Erinnerung – und eine gewisse Dankbarkeit, dass den Kostümen stets die Farbe und bis auf die Waltrauten-Entgleisung auch alle Originalität abgeht. Kann sein, dass wir uns danach noch zurücksehnen werden, aber schauen wir mal.

Aktivposten dieser Dernière war in erster Linie das Orchester unter Pablo Heras-Casado. Es trat, wie üblich, nicht in allen vier Teilen in gleicher Besetzung auf, war aber wiederum grandios, von sublimen Soli (Klarinetten, Oboen, Blech und noch viel mehr) bis zum überwältigenden Vollklang, den der spanische Maestro erkennbar führte. Heras-Casado hat sein Ring-Konzept, zieht es klar durch und sorgt für den Fluss, die Höhepunkte und die Ruheinseln des Weltendramas. Ein Dirigent von hohem Format, auf dessen weitere Dirigate (in der nächsten Saison nur, aber immerhin Holländer) man sich schon freut.

Die Bühne dominiert Camilla Nylund. Sie hat sich diese schwierigste aller Brünnhilden zu Eigen gemacht, strahlt die Würde aus, die man von ihr kennt und so sehr schätzt, und setzt mit der Schlussszene einen auch gesanglichen Höhepunkt der Sonderklasse. Dass sie das derart singen kann! Chapeau! Als weiterhin unbekümmerter Wirbelwind fegt Andreas Schagers Siegfried umwerfend über die Bühne. Ohne stimmliche Probleme (und mit ein paar geschickt kürzer gefassten Noten) flutet sein mächtiger Heldentenor wieder das Haus. Stückbedingt eher Cameos als durchgehende Rollen liefern auf Spitzenniveau Szilvia Vörös als Waltraute: textdeutlich, manchmal liedhaft, manchmal hochdramatisch; eine Waltraute, die sich unter die bemerkenswertesten meiner Götterdämmerungserfahrungen (nahe an Ludwig und Kulman) reiht, und Georg Nigl, ein Alberich berstend von Ausdrucks- und Gestaltungswillen, der sich keine Millisekunde um den bloßen Schönklang schert. Dass Gunther (Attila Mokus, um Haltung und Ausdruck bemüht, aber zwischen den Mühlsteinen großer Singschauspieler zerrieben) und Gutrune (Jenni Hietala, brav, aber kaum textverständlich) daneben blässlich daherkommen, ist keine dramaturgische Schwäche. Und dass Günther Groissböck mit starker Persönlichkeit und intensivem Spiel einen ebenso durchtriebenen wie bösen Hagen darstellt, passte auch. War auch vokal im ersten Aufzug alles in Ordnung und mündete in eine sehr gut gestaltete Wacht, so war es ab den Mannenrufen dann nicht mehr allzu gut um seine stimmliche Verfassung bestellt. Nicht jeder, der so viel macht wie Placido Domingo in seinen Glanzzeiten, wird am Ende auf eine auch nur annähernd so lange Karriere zurückblicken können. Vorsicht!

Kurz zu den beiden Frauenterzetten: Bei den Nornen ist Monica Bohinec ein Fels in der Brandung und Margaret Plummer steht ihr um nichts nach. Jenni Hietala ergänzt mit guter Stimme und weniger guter Diktion. Bei den Rheintöchtern klingt Ileana Tonca noch nicht ganz auf der gewohnten Höhe, Alma Neuhaus und Stephanie Maitland ergänzen mit hübschen Leistungen ein dann doch ausreichend homogenes Trio.

Das war der Ring für einige Zeit. Im nächsten Jahr muss man, will man nicht in Wien des Ringes darben, in die Lothringerstraße zu einem semikonzertant mit alten Instrumenten ausgeführten Gastspiel ausweichen. Ich finde das eine interessante Alternative, die neuartige Einblicke und Klangerlebnisse verspricht, und bin mir sicher, dass das vom szenischen her weniger aufregen wird als das, was künftig am Ring an Ring zu erwarten ist.

Robert Fucik

 

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