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WIEN/ Staatsoper: Gedanken zur TV-Übertragung „LUCIA DI LAMMERMOOR“ IM ORF

15.02.2019 | Oper

Wiener Staatsoper/FS-Übertragung auf ORF-2: WAHRE ERFOLGE SCHAUEN ANDERS AUS: DIE NEUE „LUCIA DI LAMMERMOOR“ BLIEB AUCH BEI DER TV-ÜBERTRAGUNG EIN PROBLEM-FALL (15.2.2018)


Juan Diego Florez. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 

Mag sein, dass die neue Wiener „Lucia“ Olga Peretyatko bei der Fernseh-Übertragung viele Fans gefunden hat. Ihr herzerfrischendes Lächeln, ihr mimisches Talent, ihre schöne Stimme – das alles wertet im Fernsehen eine Leistung auf, die in der Wahnsinn-Szene an ihre vokalen Grenzen stößt und prompt mit überzogenen Buh-Rufen quittiert wird. Die in Petersburg geborene Sopranistin hat – nicht mehr – eine Donizetti-Stimme. Hier wächst bereits eine vielversprechende Verdi-Sängerin heran, die bald Elisabetta und Desdemona übernehmen könnte. Und sie passt damit auch nicht wirklich zum Star des Abends – zu Juan Diego Florez. Der peruanische Tenor ist  als Edgardo heldischer denn je, höhensicher wie immer und schreibt im Finale Operngeschichte auf dem Niveau von Giuseppe di Stefano und José Carreras. Daher legt sich  auch mehrere  fulminante Spitzentöne ein – zum Unterschied von seiner Partnerin, die in ihrer berühmten Wahnsinns-Arie ohne Flöte und Spitzentöne einfach verlieren muss. Das wirkliche Ärgernis ist jedoch die Regie des Franzosen Laurent Pelly. In stimmungstötenden Bühnenbild-Torsi von Chantal Thomas versucht er dieses schottische Gegenstück zu Romeo und Julia als Geschichte zu erzählen, in der es nicht um eine verhinderte Liebe sondern um Macht, Geld und Politik geht. Also schneit es fast immer („seelische Kälte“), Lucia ist von Anfang an wahnsinnig und Edgardo bringt sich zuletzt aus gekränkter Eitelkeit um. Dazu kommt, dass die Bühne entweder karg und skizzenhaft ist aber den Chor und die Solisten doch behindert. Kaum zu glauben, dass die wunderbare „Fille du regiment“ mit Juan Diego Florez vom gleichen Regisseur stammte. Auch der Dirigent des Abends – Evelino Pido – hat mich in anderen Vorstellungen mehr überzeugt. Er zelebriert viele Stellen geradezu und wird dann zu rasch zu schnell. Der Chor (Leitung: Martin Schebesta) singt tapfer gegen die skurrile Regie an. Der Rest der Besetzung ist gleichfalls „durchmischt“: George Petean müht sich als böser Bruder Enrico mit seiner undankbaren Rolle, als Arturo ist Lukhanyo Moyake mit seinem Arioso überfordert; während Yongmin Park als Raimondo mit  seinem prächtigen Belcanto-Bass reüssiert. Die Wiener Staatsoper hat jedenfalls schon größere Erfolge erlebt. Und niemand versteht, warum man die 41 Jahre alte Produktion von Boleslaw Barlog  überhaupt verschrottet hat?

Peter Dusek

 

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