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WIEN/ Staatsoper: FIDELIO

08.05.2016 | Oper

WIEN / Staatsoper: FIDELIO am 07.05.2016


Robert Dean Smith, Alexandra LoBianco. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Schon nach wenigen Takten der Ouvertüre wurde deutlich, dass diese zweite Vorstellung der Serie einen besonderen Zauber ausstrahlt. Dass die wunderbar samtig klingenden Wiener Hörner die gefürchtete Passage zu Beginn ohne Gickser bewältigen, ist nicht selbstverständlich, kommt aber öfter vor. Die Stimmung, die in der Folge erzeugt wurde ist außergewöhnlich und stellt ein Kompliment an das symphonische Genie Beethovens, an die überragende Klangqualität der Wiener Philharmoniker und an die Einfühlsamkeit eines erfahrenen Kapellmeisters dar. Peter Schneider führte das Orchester mit sparsamer Gestik zu einem denkwürdigen Ergebnis, das in der Leonorenouvertüre einen unvergesslichen Höhepunkt fand. Hier bewirkten der glitzernde Streicherklang und die virtousen Holzbläser, dass sich die einzigartige Atmosphäre einstellen konnte, die für die emotional so tiefgehende Wirkung nötig ist. Auch nach oftmaligem Hören dieses symphonischen Meisterwerkes konnten wir – dank  transparenter, klarer Interpretation  – noch nie gehörte Details kennen lernen. Für diese Erfahrung sei dem Orchester und dem Maestro herzlich gedankt!

Die zweite Stütze des Abends war wieder einmal der „weltbeste Opernchor“. Sowohl der Gefangenenchor mit Wolfram Igor Derntl als Luxusbesetzung für den 1. Gefangenen (2. Gefangener: Ion Tibrea) als  auch das jubelnde Finale machten deutlich, dass Fidelio auch eine Chor-Oper ist.

Dass wir trotz dieser optimalen Voraussetzungen keine Sternstunde erlebt haben, lag an der eher durchschnittlichen Besetzung der Gesangssolisten:

Die junge, amerikanische Sopranistin Alexandra LoBianco übernahm die Rolle der Leonore von der erkrankten Anne Schwanewilms und gab damit ihr Debut an der Wiener Staatsoper. Sie bewältigt die großen Anforderungen passabel; ihre Stimme hat bereits die erforderliche Größe, klingt angenehm, hat allerdings noch Defizite bei der stimmlichen Beweglichkeit und bei der deutschen Sprache, was beim Fidelio doch störend ist.

Lars Woldt hinterließ als Rocco bei uns einen zwiespältigen Eindruck: Einerseits klang sein eher heller Bass mächtig, schön und technisch perfekt; die schauspielerische Darstellung wirkte sehr authentisch und zeigte einen aktiven Kerkermeister – in seinem Bereich ein Chef, kein unterwürfiger Opa. Andererseits bewirkt seine helle Stimmfärbung, dass im Quartett „Mir ist so wunderbar“ der dunkle Bass fehlt, dadurch die Ausgewogenheit gestört ist und die Wirkung dieses musikalischen Leckerbissens nicht voll zur Geltung kommen kann.

Seine Tochter Marzelline ist mit Ileana Tonca sehr gut besetzt. Eine schöne Stimme, eine hübsche junge Frau mit natürlicher Ausstrahlung – eine souveräne Leistung!

Ganz am Anfang seiner Bühnenlaufbahn steht Joseph Dennis als gebeutelter Verehrer Jaquino. Er sang nach dem fulminanten Jörg Schneider (in der letzten Serie) die kleine, aber wichtige Rolle eher unauffällig, aber durchaus ansprechend.

Nach der einen oder anderen problematischen Besetzung in der näheren Vergangenheit wurde diesmal ein kompetenter Darsteller des Bösewichtes Don Pizarro aufgeboten. Egils Silins erfüllte sowohl im Auftreten als auch gesanglich die Anforderungen dieser Rolle. Sein Bassbariton wirkt ausreichend bedrohlich – etwas mehr Leidenschaft (z.B. bei „Er sterbe“) wäre wünschenswert.

Mangelnde Leidenschaft kann man Robert Dean Smith bestimmt nicht nachsagen. Er war ein guter Don Florestan mit schöner Stimme und dynamischem Ausdruck – zu einem sehr guten fehlt ihm allerdings die Leichtigkeit; man hört in den dramatischen Passagen deutlich, wie schwer diese Rolle ist.

Über Adam Plachetka als Don Fernando möchten wir nicht berichten. Er blieb diesmal aus irgend einem Grund weit unter seinen Möglichkeiten – wir haben ihn schon wesentlich befriedigender gehört und werden ihn sicher bald wieder in „Normalform“ erleben.

Diesen Abend könnte man als herausragendes Chor – und Orchesterkonzert mit Gesang und verbindenden Texten charakterisieren – keine Oper wie aus einem Guss, aber, dank eines überragenden Peter Schneider, durchaus ein aussergewöhnliches Erlebnis.

Maria und Johann Jahnas

 

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