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WIEN / Staatsoper: FALSTAFF von Giuseppe Verdi und Arrigo Boito

falstaff koch pinkhasovich

Wolfgang Koch (Falstaff) und Boris Pinkhasovich (Ford). Alle Fotos: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

WIEN / Staatsoper: FALSTAFF von Giuseppe Verdi und Arrigo Boito

44. Aufführung in dieser Inszenierung

8. September 2021

Viele Opernfreunde, der Rezensent eingeschlossen, haben die gar nicht so lange auf den Spielplan gestandene Falstaff-Inszenierung von David McVicar, die auch Liebhaber schöner Bühnenbilder angesprochen hat, sehr geschätzt. Ganz zu schweigen von deren Vorgängerversion aus der Hand Luchino Viscontis. Unvergessen ein Opernabend in dessen Inszenierung mit dem legendären Duo Giuseppe Taddei und Eberhard Wächter.

Aber vergangenem Glanz nachzutrauern, wäre müßig. Auch die nun wiederaufgenommene Inszenierung von Marco Arturo Marelli, mit ihrem Grundkonzept der zwei Welten, hat ihre Meriten. Vor allem, was den Umbau der Bühnenbilder betrifft, ist sie um Einiges praktikabler geworden. Und Marellis Bühnenbilder bieten wie gewohnt dem Ensemble gute Entfaltungsmöglichkeiten.

Giuseppe Verdi und Arrigo Boito wollten in ihrer letzten gemeinsamen Arbeit die ausgelasssene Heiterkeit der lustigen Weiber von Windsor mit der tiefen Lebenstragik des Sir Falstaff konfrontieren, um dann alles in Spaß enden zu lassen. Das umzusetzen ist Marelli in seiner Inszenierung durchaus gelungen.

Wolfgang Koch, der schon als Hans Sachs die Herzen des Wiener Publikums erobert hat, erweist sich als vorbildlicher Falstaff. Es gibt nur wenige Sänger, die diese beiden – von den Antipoden Wagner und Verdi wohl am menschlichsten gezeichneten – Figuren so überzeugend gestalten können. Koch verfügt nicht nur über eine reiche Palette von Ausdrucksmitteln, sondern auch über die stimmlichen Mittel, um der Partie in der tieferen Lage wie auch in der Höhe entsprechende Kontur zu verleihen. Seine gut platzierten, metallisch gefärbten Spitzentöne kommen vor allem in den detailreich gestalteten Monologen zum Tragen. Auch mit dem schwierigen Wechsel vom Parlando zur Kantilene hat Koch keinerlei Mühe und singt alles in vorbildlicher italienischer Diktion.

falstaff lovell zamecnikova

Josh Lovell (Fenton) und Slavka Zamecnikova (Nannetta)

Darstellerisch wie stimmlich verlässlich ist Boris Pinkhasovich in der Partie des Ford. Eleonora Buratto erweist sich als neue, sehr erfreuliche Alice Ford, der die großen Kantilenen genauso gelingen wie die Staccatokoloraturen, die Verdi dem Damenensemble abverlangt.

Monika Bohinec liegt die Mrs Quickly hervorragend, was sie zuletzt auch schon in der McVivar-Produktion gezeigt hat. Der Reverenza-Gruß gelingt ihr hervorragend und ohne jeden Druck und mit stimmsicherer Höhe. Meg Page wird von der vielversprechenden jungen Virginie Verrez gesungen.

Als junges Liebespaar Nannetta/Fenton können Slavka Zamecnikova und Josh Lovell den größten Erfolg des Abends für sich verbuchen. Ihre beiden Arien singen sie vollendet und lassen keinerlei Wünsche offen.

Dirigent des Abends war Nicola Luisotti, der das Ensemble sicher über die Klippen des Werkes geleitete. Herzlicher Beifall. Für eine auslotendere Interpretation des Werkes hätten freilich etwas mehr Proben nicht geschadet.

Karlheinz Schöberl

 

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