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WIEN/ Staatsoper: EINE FLORENTINISCHE TRAGÖDIE und HERZOG BLAUBARTS BURG am 10. Oktober 2026

WIEN/Staatsoper: EINE FLORENTINISCHE TRAGÖDIE und HERZOG BLAUBARTS BURG am 10. Oktober 2026

 Psychiatrische Einengung

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Foto: Klaus Billand

 Die „Florentinische Tragödie“ von Alexander Zemlinsky und „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók erlebten an der Wiener Staatsoper eine Neuinszenierung von Valery Barkhatov. Der russische Regisseur legte beide Stücke als eines im selben profanen Bühnenbild (ein elegantes zweistöckiges Wohnzimmer mit Ehebett) von Christian Schmidt zusammen und reduzierte die Handlungen auf rein zwischenmenschliche Problemsituationen der Gegenwart, in entsprechenden Kostümen von Stefanie Seitz.

Bedenklich ist, dass das Regiekonzept für die „Florentinische Tragödie“ auf mehreren Paravents gleich zu Beginn dargestellt wurde, um die in keiner Weise in Zemlinskys Oper nachvollziehbare psychiatrische Behandlung des vor dem Ende ihrer Ehe stehenden Ehepaares Simone und Bianca durch den Besucher Bardi als Psychiater zu verstehen. In „Herzog Blaubarts Burg“ geht es ähnlich weiter mit reiner Paarbeziehung, also die völlige Reduktion des Geschehens auf die tiefenpsychologische zwischenmenschliche Problematik von Blaubart und Judith. Das engt die Dramaturgie und Ästhetik der großartigen Oper und ihrer die Geschehnisse adäquat bis phantastisch schildernden Musik Bartóks sehr ein.

Dabei gab es vor fast genau 40 Jahren ganz außergewöhnliche Inszenierungen beider Werke in Wien. Im Rahmen der Wiener Festwochen 1985 gastierte die Hamburgische Staatsoper mit der „Florentinischen Tragödie“ unter Gerd Albrecht in einem Doppelabend mit dem „Geburtstag der Infantin“, ebenfalls von Zemlinsky, am Theater an der Wien. Von 1985-87 lief an der Wiener Staatsoper eine denkwürdige Inszenierung von „Herzog Blaubarts Burg“ durch Götz Friedrich. Die Neuproduktion von heute kann beiden nahezu genialen Interpretationen von damals das Wasser nicht reichen.

Johan Reuter sang nun in Wien einen engagierten Simone als Einspringer für Christopher Maltmann und Dmitry Golovnin einen etwas unauffälligen Bardi in der „Florentinischen Tragödie“. Asmik Grigorian interpretierte die eher kleine Rolle der Bianca. Sie konnte ihre guten stimmlichen und darstellerischen Qualitäten dann weit besser als Judith in „Herzogs Blaubarts Burg“ zeigen, in einer packenden Auseinandersetzung mit dem kultivierten Bassbariton von Florian Boesch. Obwohl Bartók für die Judith sowohl Sopran wie Mezzo zuließ, erscheint die Besetzung dieser Rolle mit einem Mezzosopran doch naheliegender.

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Schlussapplaus mit dem Dirigenten. Foto: Klaus Billand

Alain Altinoglu dirigierte das Orchester der Wiener Staatsoper äußerst engagiert und auf die vielen Zwischentöne Wert legend, nicht ohne die großen Ausbrüche, wie bei der Öffnung der 5. Tür in „Blaubart“, fast hymnisch musizieren zu lassen. Erstklassig!

Klaus Billand

Klaus Billand zur Vorstellung

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 Zum Video Klaus Billand über die Vorstellung Florentinische Tragödie/ Blaubart

 

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