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WIEN/ Staatsoper: DON PASQUALE – Das Toupet passt besser und der Schmäh rennt weiter

16.04.2016 | Oper

WIEN/ Staatsoper: „DON PASQUALE“ am 15.4.2016

Das Toupet passt  besser und der Schmäh rennt weiter

Foto: WIENER STAATSOPER: DON PASQUALE. Inszenierung: Irina Brook. Premiere: 26.4.2015. Valentina Nafornita, Juan Diego Florez. Copyright: Barbara Zeininger.
Valentina Nafornita, Juan Diego Florez. Copyright: Barbara Zeininger

 Erstaunlich ist immer wieder, wie schön das Orchester bei einer Belcantooper klingen kann, wenn Evelino Pidò am Pult steht.  Er versteht die Musik, die er liebt, für die er sich so sehr einsetzt wirklich in die Seelen der Musiker zu setzen. Es war ein Vergnügen, die Ouvertüre zu genießen, sowie weiter dann den ganzen Abend.

Die sehr gut geprobte Vorstellung hatte diesmal nur einen „Neuen“ dabei, Adam Plachetka als „Wunderdoktor“ Malatesta  konnte sofort voll überzeugen. Es gelingt ihm, das Publikum einzunehmen und so singt er dieses sympathische Schlitzohr, nur um keine Freunde zu verlieren nicht nur ganz ausgezeichnet, sondern spielt so überzeugend und komisch, dass man Tränen lachte. Natürlich immer zusammen mit Michele Pertusi und Juan Diego Florez, diesen beiden Erzkomödianten. Da konnte kein Auge trocken bleiben. Pertusi war auch schon bei der Premiere ein herrlicher Sänger dieser Rolle und nebenbei ein hinreißender Darsteller mit viel persönlichem Humor. Florez ist nun einmal einer der besten „Tenori di grazia“, auch wenn er bereits kräftige Schritte ins große lyrische Fach begeht. Er singt großartig, mit Schmelz und allen was dazu gehört und ist optisch im Spiel ein Schmähbruder zum „zerwutzeln“. Die heißbegehrte Norina ist wieder Valentina Nafornita mit guter Stimme, viel Charme und Animo. Aber ihre Norina ist kein böses Mädchen, sie ist sich voll bewusst, dass sie mit der Ohrfeige gewaltig übers Ziel schoss. Der tollpatschige Notar war wieder Wolfram Igor Derntl (ohne Künstlermähne), der seine kurzen Passagen sehr gut sang.

Der Chor war wie immer unter Martin Schebesta sehr gut studiert und sang „seine Arie“ besonders schön und spielte auch sehr animiert. Da ist ein kleiner Regieschnitzer zu vermerken, sie gehen zu früh ab und so entgeht ihnen der wohlverdiente Applaus.

Evelino Pidò ist wie schon anfangs erwähnt ein Musiker erster Klasse für diese Werke. Ein Kenner und ein Ratgeber, so konnte einer großartigen Vorstellung nichts im Wege stehen.

Die klamaukhafte Inszenierung kommt beim Publikum sehr gut an und sorgt für ein volles Haus, mit dieser Besetzung für ein dreimal überbuchtes Haus.

Schade ist nur, das in der nächsten Spielzeit auf die tragischen Donizettiopern vollkommen verzichtet wird. Lucia, Anna Bolena und Roberto Devereux fehlen leider. 

Elena Habermann

 

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