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WIEN / Staatsoper: DON PASQUALE

31.10.2019 | KRITIKEN, Oper

Valentina Nafornita als Norina. Alle Fotos: Wiener Staatssoper / Michael Pöhn

WIEN / Staatsoper: DON PASQUALE

30. Aufführung in dieser Inszenierung

30. Oktober 2019

Von Manfred A. Schmid

Irina Brooks eigenwillig-schrille Inszenierung von Donizettis Buffo-Oper – mit viel Klamauk und Trash angereichert – ist auch viereinhalb Jahre nach der Premiere nicht ohne Reiz, wird aber weiterhin nicht unbedingt jeden ansprechen. Vor allem für Opernfans mit einer Allergie gegen die Farbe Pink ist der Zweite Akt nur schwer zu ertragen, wenn alles – im Bühnenbild von Noelle Ginefri Corbel – in ein plüschiges Pink à la Cindy von Marzahn getaucht ist. Erleichtert nimmt man da zur Kenntnis, dass wenigstens das Toupet, mit dem die Titelfigur ihre Glatze kaschiert und das viel zu häufig zu Boden fällt, nicht auch noch eingefärbt worden ist. Zwischentöne und tragische Beimischungen, die in der burlesken Handlung durchaus zu finden wären, sucht man hier jedenfalls vergeblich. Grelligkeit dominiert. Unter diesen Voraussetzungen haben es die Akteure auf der Bühne nicht leicht. Alle aber beweisen ihre Slapstick-Fähigkeit, müssen dabei allerdings auf eine Feinzeichnung ihrer Charaktere weitgehend verzichten.

Aus der Premierenbesetzung kommt wiederum Valentina Nafornita zum Einsatz. Ihre Norina, die dem in die Jahre gekommenen Don Pasquale unter Vorspiegelung falscher Tatsachen als Ehefrau unterschoben wird, um ihn so ein für alle Mal von den Vorzügen eines Junggsellendaseins zu überzeugen, ist ein kapriziöses, quirlige Glamourgirl. Stimmlich fehlt es ihrer Stimme, um ihrer Belcanto-Rolle ganz gerecht zu werden, zuweilen an Größe. Zudem ist ihr Sopran in den Spitzentönen inzwischen etwas schärfer geworden. Ihre darstellerischen Fähigkeiten und ihre anmutige Erscheinung machen aber einiges wett.

Dmitry Korchak als Ernesto.

Dmitry Korchak verleiht Norinas Liebhaber Ernesto mit seinem silbrigen, in allen Stimmlagen fein geführten tenore di grazia Inbrunst wie auch den erforderlichen Belcanto-Schmelz. Mühelos verströmt er in der Höhe zarteste Pianissimo-Töne, klingt dort aber auch fortissimo kaum je angestrengt. Einen Höhepunkt beschert er mit seinem Klagelied „Povero Ernesto“, auf der Bühne elegisch und ausdrucksstark begleitet von Solotrompeter Bernhad Pronebner. Zuvor schon sorgt Pronebners Kollege Gotthard Ebner mit seinem schwermütig und seelenvoll aus dem Orchestergraben emporsteigenden Trompetensolo für Gänsehaut.

Wie Nafornita ist auch Orhan Yildiz eine Hausbesetzung. Als Malatesta ist er – vergleichbar etwa mit dem Barbiere in Rossinis gleichnamiger Oper – der Mann, der die Fäden der Posse, in der Don Pasquale übel mitgespielt wird, in der Hand hält. Sein geschmeidiger Bariton ist gut eingesetzt, auch darstellerisch liefert Yildiz eine komödiantisch ansprechende Leistung. Im rasanten, zungenbrecherische Akrobatik fordernden Duett „Chieti, chieti, mantinente“ liefert er an der Seite des italienischen Erzkomödianten Ambrogio Maestri, vor bereits geschlossenem Vorhang, eine starke Leistung. Kein Wunder also, dass dieses Duett auf Zuruf Maestris an den Dirigenten – „Herr Kapellmeister, los geht´s!“  – wiederholt wird. (Vermutlich aber ist das eher doch nur den nötigen Umbauarbeiten auf der Bühne geschuldet. Da muss nämlich aus dem Einheitsbühnenbild – eine Bar – ein rosa Garten werden!)

Orthan Yildiz als Malatesta.

Ambrogio Maestri in der Titelpartie ist eine Klasse für sich – und eine Wucht. Sowohl gesanglich als auch darstellerisch ein wahres Kraftpaket. Ihm gelingt es, als Don Pasquale – wie auch in seiner Glanzrolle als Falstaff – all dessen Unzulänglichkeiten zum Trotz, die Sympathien auf sich zu ziehen. Man leidet mit ihm mit, als er bis ins Unerträgliche hinein gepiesackt wird, und freut sich mit ihm, wenn der Albtraum endlich vorbei ist.

Ein bisschen ergeht es einem so auch beim Schlussapplaus. Das grellbunte Feuerwerk an mehr oder weniger gelungenen Gags, das in dieser Inszenierung geboten wird, wirkt auf die Dauer doch etwas ermüdend. Die schwungvolle Musik Donizettis wird vom Staatsopernorchester unter der Stabführung von Ramón Tebar mit Verve und Impetus dargeboten. Dennoch ist man nach zweieinhalb Stunden nicht ganz undankbar, wenn das alles ein Ende hat. l.

31.10.2019

 

 

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