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WIEN / Staatsoper: DON PASQUALE

Junge neue Stimmen und ein bewährter Erzkomödiant im Zentrum

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Sergey Kaydarov (Malatesta), Cyrille Dubois (Ernesto), Ruth Iniesta (Norina), Ambrogio Maestri (Don Pascuale). Alle Fotos: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

WIEN / Staatsoper: DON PASQUALE

36. AuffĂĽhrung in dieser Inszenierung

23. April 2022

Von Manfred A. Schmid

From Trieste to Vienna 🧳 Nos quedan 2 días para estrenar!! ✨
#singingporelmundo #wienerstaatsoper
. Ruth Iniestas Reise nach Wien fĂĽr „Don Pasquale. (Kurzvideo)
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Direktor Bogdan Roscic setzt auf die Jugend. Die von ihm angekündigte Verjüngung des Publikums war wohl der entscheidende Grund, weshalb er berufen wurde. Wegen der Corona-Blockaden während seiner ersten beiden Saisonen wäre es zu früh, diesbezüglich eine Bilanz zu ziehen. Außer bei den Generalproben, zu denen gezielt vor allem Jugendliche eingeladen werden, deutet bis jetzt – trotz einiger Neuproduktionen mit deutlich mehr Einsatz von, auf ein jugendliches Publikum abzielenden sozialen Medien, wie z.B. in Simon Stones La Traviata – wenig darauf hin, dass der Anteil an jungen Opernbesuchern merklich zugenommen hätte. Es kommen zuletzt zwar wieder etwas mehr junge Leute ins Haus, aber das sind in erster Linie ausländische Touristen, auf deren Programm traditionellerweise eben auch ein Besuch in der Oper steht. Ob dafür im Gegenzug eine spürbare Abwanderung des älteren Stammpublikums zu verzeichnen wäre? Freie Plätze bei Premieren wie auch bei Repertoireaufführungen – weisen in diese Richtung, es wäre aber auch hier verfrüht, daraus einen konstanten Trend abzuleiten.

Gelungen ist die VerjĂĽngung allerdings – mit ĂĽberwiegend positivem Feedback – bei der Besetzung vieler AuffĂĽhrungen, deutlich zu sehen und zu hören ist dieser Anspruch auch bei der eben anlaufenden AuffĂĽhrungsserie von Donizettis Don Pasquale. An der Seite des in dieser Rolle schon so gut wie zu einer Legende gewordenen Erzkomödianten Ambrogio Maestri, der auch diesmal – mit seiner bĂĽhnenfĂĽllenden Erscheinung, mit buffonesker Spielfreude und einem wendigen Bariton –  in der Titelpartie umwerfend agiert und singt, werden diesmal ausschlieĂźlich junge Kräfte aufgeboten. Darunter gleich zwei HausdebĂĽts: Cyrille Dubois und Ruth Iniesta.

Die spanische Sopranistin Ruth Iniesta ist eine quirlig-zierliche, entzückende Norina. Sicher in den Koloraturarien und ungemein komisch bei ihren Auftritten, ob sie nun als unschuldiges Mädchen aus dem Kloster oder als luxusverwöhnte, emanzipierte Gattin an der Seite Don Pasquale diesen heillos verwirrt und bis zur Kapitulation herausfordert. Ein leichter, elastischer Sopran, der erahnen lässt, warum diese Sängerin auch in Zarzuelas, der spanischen Varianten der Operette, erfolgreich eingesetzt wird.

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Ruth Iniesta (Norina).

Schlank, luftig und mĂĽhelos klingt auch der Tenor des französischen Sängers Cyrille Dubois, eine Stimme wie geschaffen fĂĽr Belcanto-Rollen. Mit seiner souveränen Höhensicherheit kann man sich ihn gut auch als Tonio in Donizettis La fille du rĂ©giment vorstellen. Als Ernesto gelingt ihm die berĂĽhrend vorgetragene, von einer Solotrompete (Gerhard Berndl) eigeleitete „Abschieds“-Szene „Povero Ernesto … Cercherò lontana terra“ ausgesprochen gut. Die gitarrenbegleitete Serenade „ComĂ© gentil…“ , in der  er wie ein lässiger Vorstadt-Casanova auftritt, lässt ebenfalls aufhorchen. Fein auch das mit Iniesta gestaltete, von belcantischer SĂĽĂźe durchwirkte Duett „Tornami a dir che m’ami…“. Beide keine groĂźen, aber feine Stimmen mit Potenzial, vorwiegend wohl fĂĽr das italienischen und französischem Fach.

Ensemblemitglied Sergey Kaydalov als die Fäden ziehender Malatesta erinnert, wie im Libretto vorgesehen, eher an Mozarts Figaro bzw. Rossinis Barbiere als an einen Dottore. Seine komödiantischen Fähigkeiten treten gut in Erscheinung, im Duett mit Don Pasquale am Ende des 2. Akts kann er mit dessen ausgefeilten, rasant plappernden Parlando-Fähigkeiten gut mithalten. Ein ordentliches, ausbaufähiges Rollendebüt.

Der Einsatz von Sängerinnen und Sängern aus dem Opernstudio, wann immer möglich, gehört – wie hier schon des Ă–fteren gewĂĽrdigt – ebenfalls zu den konstant angewendeten Mitteln in der VerjĂĽngungs-Strategie von Roscic. Diesmal ist es Michael Arivony, der als die ĂĽbliche Karikatur eines schusseligen Notars auf der BĂĽhne erscheint, aber nicht viel zu singen hat.

Evelino Pido, oft unterschätzt, ist ein verlässlicher, stets auf die Bedürfnisse der Sängerinnen und Sänger auf der Bühne achtender musikalischer Leiter einer insgesamt gelungenen Repertoire-Aufführung, der es nicht an Spritzigkeit mangelt, die komödiantisch angelegt ist, aber auch lyrisch und melancholisch zu schwelgen weiß. Nicht unerwähnt bleiben soll der Staatsopernchor, der in dieser schrill-bunten Inszenierung auch darstellerisch eingebunden ist. Das Publikum bedankt sich mit herzlichem, nicht zu knappem Beifall.

24.4.22

 

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