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WIEN / Staatsoper: DON GIOVANNI

06.03.2013 | Oper

WIEN / Staatsoper: 
DON GIOVANNI von W. A. Mozart
20. Aufführung in dieser Inszenierung
5. März 2013 

Es war ein Abend der Herren, ein Paar, das aus dem Zusammenspiel Funken schlug: Der Russe Ildar Abdrazakov und Erwin Schrott aus Uruguay (dies nur erwähnt, um wieder einmal zu sagen, dass es nichts Internationaleres gibt als eine Opernbesetzung – wir hatten an diesem Abend auch noch eine Lettin, eine Französin, eine Spanierin, einen Engländer, einen Koreaner und einen Deutschen auf der Bühne) waren als Don Giovanni und Leporello wirklich eine wilde, ruchlose Bande von gewissenlosen Verführern. Dabei wirkten sie so ungemein heutig, dass man sie in jeder Bar treffen könnte – in ihrer unverschämten Frechheit, wie sie sich über alle Regeln des Anstands hinwegsetzen. Dabei wartete Abdrazakov noch mit einem eleganten Charme auf, der schlechtweg hochgradig sexy war, während Schrott (mit schäbigen langen Haaren und speckigem Proleten-Look) zu dem Zynismus, den er mit Giovanni teilte, noch den Hohn des Untergebenen mitbrachte, der furchtlos seinen Herrn nachäfft und herausfordert… So spannend geht es auf der Bühne nicht immer zu, und weil beide auch Besitzer von hoch potenten, kraftvoll-schönen Bassstimmen sind, gab das ein Duell / Duett der Persönlichkeiten, das man nicht so schnell vergißt.  Damit kam an  diesem Abend niemand mit.

Erwähnen will man allerdings besonders Toby Spence, weil er bei der ersten Aufführung dieser „Don Giovanni“-Serie offenbar beeinträchtigt war. Man muss jetzt gar nicht die persönliche Bewunderung für einen Künstler erwähnen, dem eine schwere Krankheit den Boden unter den Füßen weggezogen hat und der nun sein Leben zurück erobert. Spence hat einen sehr schönen, für Mozart geeigneten Tenor, er war voll präsent, und die winzigen Abstriche, die man bei den Arien machen musste – ja, da hat man ja seit langer Zeit selten Vollkommenes gehört (trau’n wir uns doch –  Dermota, Wunderlich, Schreier in ihrer besten Zeit, und vielleicht noch ein paar andere).

Andreas Hörl als Komtur ließ sich wegen Bronchitis entschuldigen, und als er am Ende Don Giovanni herausforderte, knickte die Stimme dann doch ein. „Ansagen“ ließ sich wegen „grippalem Infekt“ auch Marina Rebeka, war aber als Donna Anna immer noch mit Abstand die beste der Damen. Sie überzeugt durch die stimmliche Kraft und die ungeheure sängerische Entschlossenheit, mit der sie sich über die Rolle wirft, sie „hat“ die Koloraturen souverän, und die Höhenschärfen bekommt sie wohl, wenn sie gesund ist, viel besser in den Griff. Wirklich interessant auch, dass ihre Donna Anna von Don Giovanni ja doch weit faszinierter ist als von ihrem faden Bräutigam, und ihre darstellerische Detailarbeit ist fesselnd zu beobachten, wie sie versucht, diese verhängnisvolle Neigung in den Griff zu bekommen, aber immer wieder der Versuchung erliegt, sich mit Blicken zu verraten…

Weit weniger Freude bereiteten die anderen Damen: Der Donna Elvira von Véronique Gens zuzuhören, war bestenfalls ein flackriges Vergnügen (und am besten lässt man das Wort „Vergnügen“ in diesem Zusammenhang ganz weg). Dass Sylvia Schwartz sichtlich schwanger ist, passt zu einem so hemmungslos skrupellosen Giovanni, wie Abdrazakov ihn spielte – dem traut man wirklich zu, dass er sogar eine schwangere Braut verführt. Leider ist die Stimme von Sylvia Schwartz in einem ziemlich beklagenswerten Zustand, und weil auch Tae-Joong Yang an diesem Abend nicht wirklich reüssierte, war das „bäuerliche Paar“ diesmal ein ziemlicher Ausfall.

Louis Langrée ließ schon bei der Ouvertüre befürchten, dass man vom Orchester her keinen sonderlich inspirierten Mozart hören würde, aber für eine ordentliche Repertoirevorstellung wie diese reichte es. Nie reichen wird diese dumme, konfuse, auch hässliche Inszenierung, die wieder den geknurrten Schwur „Nie wieder gehe ich da hinein!“ evoziert – und kaum gibt es eine interessante Besetzung, gibt man nichts auf sein Geschwätz von gestern…

Renate Wagner

 

 

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