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WIEN/ Staatsoper: DON GIOVANNI

Wien/Staatsoper: 1.4. 2025″Don Giovanni“, Staatsoper

Don Giovanni – Wikipedia
Foto: Wikipedia

Die Staatsoper hat in den letzten Tagen ihren neuen Da-Ponte-Zyklus in zwei Serien gespielt. Der Schreiber dieser Zeilen hat allerdings nur den „Don Giovanni“ besucht.

…2021 „Don Giovanni“, 2023 „Le nozze di Figaro“, 2024 „Cosi fan tutte“: szenisch hat dieser von Barrie Kosky inszenierte Da-Ponte-Zyklus bis auf den „Figaro“ wenig überzeugt – der „Don Giovanni“ beispielsweise leidet unter dem Bühnenbild, das ein kahles, schwarzes Felsplateau darstellt, er verärgert durch eine infantile Friedhofsszene, und er enttäuscht durch eine phantasielose, schlecht arrangierte „Höllenfahrt“ (Don Giovanni stirbt an einem Herzanfall). Auf der positiven Seite ist anzumerken, dass die Achse Don Giovanni–Leporello recht gut herausgearbeitet wurde, und dass es der Staatsoper in den bisher rund 30 Aufführungen dieser Produktion meistens gelungen ist, für die beiden Partien Sänger zu engagieren, die über die dafür nötige Bühnenpräsenz und Stimmqualität verfügen. Das war auch in dieser Vorstellung der Fall.

Étienne Dupuis war allerdings kein Don Giovanni für einen Hochglanzprospekt: ihn trieb ein trockener Humor und ein mit rücksichtslosem Durchsetzungswillen unterfütterter Egoismus. Wenn er Zerlina umwarb, dann merkte man die Absicht dahinter. Er gab keinen Don Giovanni, der sich im Rausch der Liebe vergisst. Allein wie übertrieben er dem „odor di femmina“ nachschnüffelte, zeigte nicht den Genießer, sondern mehr den Zyniker, der Menschen ganz im Allgemeinen für seine Zwecke missbraucht. Der „Mythos“ des unwiderstehlichen Verführers war diesem Don Juan nicht aufgeprägt, aber es war trotzdem ein stimmiges Rollenporträt, der Figurencharakter gut durchgeformt: zudem vermochte sich sein etwas gerauter Bariton gut durchzusetzen und genug „falsche“ Süße auszupacken, wenn es darauf ankam – auch wenn er es nicht allzuoft darauf ankommen ließ.

Diesen pathoslosen „Realismus“ befördert auch die Inszenierung, die einem mehr „bodenständigen Humor“ das Feld bereitet, mit dem sich auch der Leporello von Peter Kellner bestens anzufreunden wusste:..

http://www.operinwien.at/werkverz/mozart/adong39.htm

Dominik Troger/ www.operinwien.at

 

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