Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: DON CARLO – Fortsetzung der Verdi-Festwochen

03.06.2016 | Oper

WIEN/ Staatsoper:  DON CARLO am 2.6.2016

Die Verdi-Festwochen wurden erfolgreich fortgesetzt. Der italienische „Don Carlo“ ist dem in gnädiger Versenkung verschwundenen französischen – ähnlich karg bebildert – für meinen Geschmack um Klassen besser, „dichter“. Bei einer Glanzbesetzung wie an diesem Abend steht einem tollen Opernabend nichts im Wege.


Ludovic Tezier. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

An der Spitze ist der herausragende Ludovic Tezier als Posa zu nennen – dieses Mal müsste das Werk seinen Namen tragen. In der Darstellung des loyalen Freundes des unglücklichen Infanten, aber auch als ausgleichender Ratgeber des Königs weiß er bestens zu gefallen. Seine Stimme hat alles, was seine Rolle verlangt: Seidenweichen Klang, tolle Höhe, Kraft in den Arien und Duetten, das war fast nicht zu übertreffen. Anja Harteros sang die Elisabeth mit Vehemenz, als wollte sie sich für eine Turandot „warmsingen. Aber trotz dieses kleinen Einwandes war sie eine Stütze des Abends. Da gab es keine Unsicherheit, auch die Piano-Phrasen gelangen ihr makellos. Sie legte ihre Rolle nicht unbedingt als leidendes Opfer eines herrischen Königs an, sondern fand sich relativ kühl mit der Situation am Hof ab und zeigte wenig Emotion. Beatrice Uria-Monzon war nach längerer Pause wieder einmal als Eboli zu hören. Mit ihrer kräftigen und gesunden Stimme konnte sie sich vor allem im Terzett problemlos durchsetzen. Ein kleines Manko war ihr doch recht deutlich vernehmbares Vibrato, mit dem man sich nicht unbedingt anfreunden konnte. Rene Pape war als König Philipp zwar stimmlich in bestechender Form, da kamen alle geforderten Noten punktgenau. Aber… sein etwas steifes Spiel und die nicht überwältigende Italianita brachten ihm zwar viel Applaus nach seiner großen Arie, aber es fehlte doch einiges an Wirkung. Die Titelrolle sang Ramon Vargas, einer der verlässlichsten Tenöre, der seine wunderbar lyrische Stimme immer noch mit viel Erfolg präsentierte. An diesem Abend stand er allerding im Schatten seiner stimmgewältigen Mitstreiter, die ihn häufig zwangen, die äußersten Kraftreserven zu mobilisieren. Das klang dann bei den Spitzentönen nach sehr harter Arbeit. Jongmin Park war ein prächtiger Mönch und Alexandru Moisiuc ein furchteinflößender Großinquisitor – lange ist es her, dass man diese Rolle von wohlklingenderen Stimmen gehört hat.

Am Pult waltete der Tausendsassa im italienischen Fach, Marco Armiliato. Auch bei diesem Werk demonstrierte er sein großartiges Fingerspitzengefühl, ein gewaltiges Orchester zu zähmen, um den Sängern das Leben nicht noch schwerer zu machen als notwendig. Seine Fähigkeit, die Klangmassen zu koordinieren, sind nicht geringzuschätzen. Wenige Dirigenten werden schon zu Beginn mit Bravorufen empfangen. Armiliato hat diese und die noch zahlreicheren am Ende redlich verdient. Ein hervorragender Opernabend fand begeisterten Widerhall beim Publikum.  

Johannes Marksteiner      

 

 

 

Diese Seite drucken