Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: DIE ZAUBERFLÖTE. Flöte ja, Zauber na ja

WIEN/ Staatsoper: Die Zauberflöte 22.6.26

Flöte ja, Zauber na ja

zaube

Eine Zauberflöte im Repertoire mit einem ausgewiesenen Fachmann für Barock bis Mozart – was soll da schiefgehen? In Ivor Boltons Händen (Stab führt er nicht) gerät die Vorstellung transparent, aber mit derart rasanten Tempi (mit 10 Minuten Zeitgewinn), dass viele Sänger ihre Schwierigkeiten damit haben, drei Knaben und zwei Geharnischte fast bis zum Schmiss. Wieder einmal eine Mahnung, eher die zweite oder dritte Vorstellung einer Serie zu besuchen und nicht die erste. Dazwischen gab es auch sehr schöne Passagen, etwa von Klarinette, Fagott und von der „Titelheldin“.

Die Sänger waren alle jedenfalls befriedigend, erster Priester (Adrien Autard) und erster Geharnischter (Devin Eatmon, begleitet von Evgenyi Solodovnikov) demnächst aus dem Opernstudio scheidend. Das Niveau einer totalen Durchdringung der Rolle mit eigener Persönlichkeit erreichten Adrian Eröd (Sprecher und zweiter Priester) in sehr trockener Verkniffenheit und Matthäus Schmidlechner als bemitleidenswert vom Minderwertigkeitskomplex überwältigter Monostatos. Überdurchschnittlich waren noch Michael Nagl als im Wunsch nach Schlaf, Speise und Trank (das muss heute in Neufassung halt „Schlaf, Essen und Trinken“ heißen) urwienerischer Papageno – das wäre in absehbarer Zeit der logische Nachfolger von Wolfgang Bankl im Ensemble. Ebenso zündete die im Lande und auf dem Felde des Belcanto höchst erfolgreiche Jessica Pratt als sternflammende Königin ein selten ähnlich brillantes Feuerwerk. Ihre Damen hatten vor kurzem Walhall brennen sehen (Jenni Hietala, Alma Neuhaus und Stephanie Maitland) und sind auch hier sehr ordentlich unterwegs, Ilia Staple schreckt als Papagena vor keiner Outrage zurück und hat mit dem Pa-pa-pa-Duett erwartungsgemäß keine Probleme.

Gegen Florina Ilie als Pamina und Pavol Breslik als Tamino ist nichts Grundsätzliches einzuwenden; strahlender Mittelpunkt des Stücks sind sie aber nicht gerade, dazu ist Ilies Sopran zu schmal und Bresliks Tenor zu glanzlos. Als Sarastro sprang Ante Jerkunica für den plötzlich erkrankten Günther Groissböck ein, anderthalb Stunden vor Vorstellungsbeginn aus Split eingeflogen. Ein profunder Bass, der sich stimmlich bewährt aber ebenfalls nicht vollends zum Mittelpunkt wird. Der Chor, vor allem die Herren, beweist indes seine große Klasse.

Die aktuelle Zauberflöteninszenierung von Barbora Horakova mit der Spukschlossatmosphäre ist nicht ganz schlecht und nicht ganz überzeugend. So gesehen ist die Qualität der Aufführung derjenigen der Inszenierung kongenial.

Robert Fucik

 

Diese Seite drucken