WIEN/Staatsoper: DIE WALKÜRE am 25. Mai 2026

Ein Sängerfest!
Gestern Abend ging der vorletzte Zyklus des „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner in der nicht ganz gelungenen, aber sehr repertoiretauglichen Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf unter der musikalischen Leitung von Pablo Heras-Casado mit der „Walküre“ weiter. Es war vor allem ein Fest der Stimmen, im Finale gar eine Sternstunde.

Schlussapplaus Volle Nylund: Foto: Klaus Billand
Denn was Michael Volle als Wotan und Camilla Nylund als mädchenhaft wirkende und jugendlich hochdramatisch (kein Tippfehler!) singende Brünnhilde bei Wotans Abschied, aber auch Szilvia Vörös als klangvolle und charmante Fricka im großen Dialog mit Volle an musiktheatralischer und vokaler Präzision, Imagination und Emotion an den Tag legten, war in dieser Perfektion wohl bisher in der Bechtolf-Inszenierung kaum zu sehen.
Simone Schröder steuerte mit ihrem leuchtenden und sehr gut geführten Sopran eine kompetente Sieglinde bei. Günther Groissböck war wieder ein Respekt einflößender gewaltbereiter Hunding. Allein Michael Spyres fiel aufgrund einer leicht gaumigen Tonbildung und fehlenden tenoralen Glanzes stimmlich ab. Irgendwie öffnete sich seine Stimme an diesem Abend nach oben nicht. Man konnte irgendwo den Titel „BariTenor“ lesen. Da ist in der Tat etwas dran. Auch konnte Spyres nicht die dem Siegmund innewohnende Kämpfernatur vermitteln.

Schlussapplaus: Foto: Klaus Billand
Das Walküren-Oktett war bis auf drei Stimmen gut, sollte es in Wien aber mit allem acht sein! Das alberne Herumgetue mit den Businessanzugs-bekleideten „Helden“, die – als eigentlich gefallene Kämpfer – wie irre durch die Gegend laufen, war nur ein Aspekt der vielen Shortcomings dieser Inszenierung, die aber eben für ein Repertoire-Haus wie die Wiener Staatsoper einigermaßen passt. Eine Repertoire-Oper ist auch die Sofia Nationaloper. Dort gibt es in einer sehr beeindruckenden „Ring“-Inszenierung von Plamen Kartaloff auch die acht Pferde in Lebensgröße – knallrot und nicht mausgrau! Und siesind ständig in Bewegung mit den Walküren obendrauf, was regelmäßig Szenenapplaus bewirkt. Heute Abend kann man das in Sofia wieder erleben. Nicht nachvollziehbar, dass die Pferde in Wien nur herumstehen und ihre Reiterinnen offenbar nicht das Geringste mit ihnen zu tun haben (wollen). Immerhin kann Wotan später seinen Speer an ihnen abstellen…
Pablo Heras-Casado fand nach einem etwas unkonturierten 1. Aufzug im 2. und vor allem im Final-Aufzug zu seiner gewohnten Wagner-Qualität, sehr im Einklang mit und wohl auch motiviert von den erstklassigen Protagonisten auf der Bühne. Das Orchester der Wiener Staatsoper spielte äußerst engagiert.

Schlussapplaus: Foto: Klaus Billand
Ein großer Abend im Haus am Ring mit ungewöhnlich intensivem und lang anhaltendem Applaus vor allem für Michael Volle und Camilla Nylund, aber auch sehr viel für Szilvia Vörös und Pablo Heras-Casado mit dem Orchester.
Klaus Billand
Video-Podcast von Klaus Billand


