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WIEN/ Staatsoper: DIE WALKÜRE. Bist Du Siegmund, den ich hier sehe

Wiener Staatsoper: Die Walküre am 7.6.26

Bist Du Siegmund, den ich hier sehe

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Copyright: Marco Borelli/Salzburger Festspiele

Ein Sänger, der binnen 2 Monaten Nemorino und Siegmund singt. Ein solches Wunder gibt es in den letzten beiden Walküre-Vorstellungen des Bechtolf-Rings zu hören. Michael Spyres singt also Siegmund. Zum einen überrascht, dass der als BariTenor ausgewiesene nicht annähernd so dunkel klingt wie mancher „reiner“ Tenor (auf Klaus Florian Vogt und seinen hervorragenden konzertanten ersten Akt vor wenigen Wochen bezieht sich dies freilich nicht). Ein intensiv gestalteter Schwertmonolog mit sehr guten Wälserufen (und dem originelln Verdreher: „tief in des Berges Busen brennt nur noch lichtlose Glut“) und Winterstürme zum Dahinschmelzen stehen einem leicht gestressten „Dich, selige Frau“ und einem eher gestemmten als blühendem „Wälsungenblut“ gegenüber, ergeben aber insgesamt doch ein sehr imponierendes Portrait der sehr sympathischen, aber eher weichen Sorte. Kein gehetzter Friedloser (was allerdings doch eher der Standard wäre). Ihm zur Seite Simone Schneider, ob wie diesmal und andere male angesetzt, ob einspringend die personifizierte Verlässlichkeit als Sieglinde und Günther Groissböck als knorrig-knurriger Hunding von der ganz bösartigen Sorte (da hat man in dieser Inszenierung schon interessant differenzierende Darstellungen erlebt). Groissböcks Höhen sind übrigens intakt.

Im zweiten Akt dann die beiden Debüts, die besonderes Interesse erweckt haben: Michael Volle endlich in der entscheidenden Wotanpartie in Wien, Camilla Nylund als Brünnhilde. Vor allem das Zusammenspiel der beiden, die sensible Darstellung dieser sehr komplexen Vater-Tochter-Beziehung, ist außergewöhnlich. Volles lange Erfahrung mit der Rolle, seine Textbehandlung seine immer noch vorhandene Kraft imponieren. Nylund ist nach Merbeth und Kampe die nächste jugendlich-dramatische, die ihrer schönen Stimme die Brünnhilde abringt. Wüsste man nicht, dass sie trotzdem ihr höchstes Niveau als Marschallin oder Ariadne beibehalten konnte, wäre einem bang, aber die Tour de Force scheint nicht zu schaden. Viele jugendfrische Momente machen diese Brünnhilde zu etwas feinem. Szilvia Vörös ergänzt mit einer differenziert gesungenen, nicht gekeiften Fricka, etwas kontaktfreudiger zum Ehegatten als man es in der Inszenierung in Erinnerung hat. Das ist übrigens die dritte Rolle, die Vörös in dieser Inszenierung übernommen hat (nach Grimgerde und Waltraute).

Zuletzt die Walküren: Neben Maria Zherebiateva (als Helmwige für Regine Hangler eingesprungen), Jenni Hietala (Gerhilde), Anna Bondarenko (Ortlinde), Stephanie Houtzeel (Waltraute) und Daria Sushkova (Rossweiße) kommen zwei nahezu direkt aus dem Rhein (Alma Neuhaus, nun Siegrune [früher auch schon Waltraute] und Stephanie Maitland, nun Schwertleite [in früheren Vorstellungen schon Rossweiße und Grimgerde, somit im Alt-Walküren-Hattrick) und eine aus dem Chor (Zsuzsanna Szabó als Grimgerde, keinesfalls auf niedrigerem Niveau als die Solistinnen). Das Oktett war im Großen und Ganzen durchaus homogen.

Das Orchester, inzwischen vertrauter mit den Eigenheiten des Dirigenten, glänzt wieder (besonders Solocello, Oboe, Klarinette). Die Interpretation von Pablo Heras-Casado spannt den Bogen von rasch und mit viel Wumms, nicht nur in reinen Orchesterstellen (was die Sänger beeindruckend bewältigen), zu leisen, in Ruhe ausgekosteten Bögen. Hörgewohnheiten kümmern ihn wenig, seine Sicht hat viel Originelles.

Ein letztes Wort zur Inszenierung. Bechtolfs Stärke war die Personenführung, nicht die großen Bilder. Hübsche Ideen wie die Projektion des trabenden Wolfs im ersten, ein toter Wolf im zweiten Aufzug – Wotan begleiten im Sagenkreis nicht nur zwei Raben, sondern auch zwei Wölfe –, etwas Überkandideltes wie die Spielsachen der Wälsekinder oder die beiden – vom Nibelungenhort übriggebliebenen – Goldköpfe und Irritierendes wie die immobilen neun Pferdeskulpturen und verhetzt umherhuschende „Helden“ (wenn das das Heldenmaterial für Walhall ist …)  machen den Abschied nicht so schwer. Auch die wenig inspirierten Bühnenbilder (Hundings Gründerzeitvilla mit einem von Ikeatischen umzingeltem Eschenstamm, ein Waldstück, in dem sich vor allem der Zweikampf verläuft, ein Walkürenfelsen ohne Felsen mit Salontüren, die Wotan höchstpersönlich schließen muss) und Kostüme, die einen gewissen Frauenhass der Frau Glittenberg vermuten ließen, werden nicht allzu sehr abgehen. Freilich: „Weißt Du, wie das wird?“ gilt auch für die nächste Inszenierung.

Robert Fucik

 

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