Wiener Staatsoper: 20.05.2026 SO „Die Perlenfischer“

Der Direktor des Hauses meinte, dass Menschen diese Inszenierung für gelungen halten müssten, die die Intentionen des Regisseurs (Ersan Mondtag) verstünden. Deshalb beeile ich mich, diese Inszenierung für gut zu halten, um nicht als Dodel dazustehen. Die Handlung wird in ein modernes Kaufhaus verlegt, gut. Eigentlich passt jeder Raum (ausgenommen Ceylon – das wäre zu nahe am Original), ein Kaufhaus ebenso wie eine Mülltrennhalle oder eine Autowerkstatt. Es müssen nur jederzeit trotz verschlossener Räume Menschen auch nachts Zutritt haben. Man findet sich mit dem zugegebenermaßen doch ungewöhnliche Ambiente (Bühnenbild und Kostüme produzierte der Regisseur selbst) ab und lauscht der Musik. Da hörte man ein ambitioniert spielendes Orchester unter dem kompetenten Dirigenten Daniele Rustione. Zudem noch den ausgezeichnet disponierten Chor, der in dieser Oper Gewaltiges leisten muss. Das Urteil über die Protagonisten fällt zwiespältig aus. Ludovic Tezier sang den Zurga mit großer Vehemenz, dabei ist Einiges an Eleganz und nobler Phrasierung – Besonderheiten, die diesen Sänger eigentlich auszeichnen – verlorengegangen. Ivo Stanchev war ein toller Nourabad mit Kraft und Temperament bewältigte er diese Rolle bestens. Kristina Mkhitaryan war als Leila etwas „überbesetzt“. Ihr schöner Sopran war in den dramatischen Szenen sehr gut, für Lyrismen musste sie ihre Stimme zu stark dämmen, wodurch sie an Wirkung verlor. Juan Diego Florez hat sich offenbar entschlossen, sein Stammrepertoire zu verlassen und dramatischere Partien zu übernehmen. Ein Entschluss, den man mit Bedauern zur Kenntnis nimmt, denn die Wirkung seiner immer noch wunderbar lyrischen Stimme ist nicht optimal. Sein Nadir ließ Wünsche offen. Die Arie im ersten Akt war makellos. Im Duett mit Zurga gab es zu große Kraft-Unterschiede zwischen den beiden Stimmen, und im Schlussbild hörte man ihn kaum noch. Schade um Nemorino/Ernesto und andere.
Das Publikum spendete viel Applaus und wird auch zukünftig gerne Kaufhäuser besuchen, wenn die richtige Musik gespielt wird.
Johannes Marksteiner

