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WIEN/ Staatsoper: DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

Wiener Staatsoper am 18.10.2026: Die Entführung aus dem Serail

Beruhige Dich Belmonte – Danke, Belmonte – Bitte, Belmonte

Die Entführung aus dem Serail – Wikipedia

Immerhin schon die 27. Aufführung dieser Inszenierung in Wien (ein Vintage-Import aus Stuttgart). Ihre herausragende Charakteristik ist die Dopplung der singenden Figuren mit Schauspielerinnen und Schauspielern. Die daraus gewonnenen Pointen sind allerdings eher von der Art, über die man nach drei Vierteln in der Theaterkantine lacht. Während das noch einigermaßen gerechtfertigt ist, wenn die Sängerinnen oder Sänger eher radebrechen als gekonnte deutsche Prosa abzuliefern, wird es sinnlos, wenn – wie im Fall Blonde – die Sprecherin weitaus schlechter spricht als die Sängerin (beide lustigerweise aus Linz). Nimmt man die Prosa aber nur eben so hin, dann bietet Hans Neuenfels einen guten Rahmen für das Musikalische und in Christian Schmidts abgefacktem Theatersaal das zeitlich weit vorher gelegene Pendant zu Koskys Così. Die Kostüme von Bettina Merz sind überwiegend gerade noch erträglich. Und um auf die Neuenfelssche Grundidee zurückzukommen, wollen wir doch nicht so flach bösartig sein, um darauf hinzuweisen, woran es nach dem Volksmund liegt, dass man doppelt sieht …

Musikalisch gerät die Aufführung zum Feinsten. Das liegt primär am Dirigat von Constantin Trinks. Er nimmt alle Nummern flott, aber nicht verhetzt und hat etwas, was nicht allzu häufig ist: Man hat dne Eindruck, dass alles immer vorwärtsstrebt, natürlich fließend, nicht drängend. So wie es früher bei Peter Schneider war oder heute bei Alexander Soddy ist. Besseres lässt sich kaum wünschen und Orchestersoli (bekannt in der Martern-, weniger geläufig in der Baumeisterarie) setzen noch kleine Glanzlichter auf. Aus dem Ensemble ragt – und das gehört sich ja auch – die Konstanze heraus: Nikola Hillebrand beginnt ihre Saisonresidenz in Wien fulminant. Wenn man sich nach der „Traurigkeit“ kaum vorstellen kann, dass die „Martern“ noch besser werden (mit Ausnahme eines winzingen Durchhängers) und das Duett mit Belmonte noch einen Höhepunkt bildet, dann hat man eine Konstanze von außergewöhnlichem Format gehört. Ihr zur Seite der immer elegante Sebastian Kohlhepp als trotz heldischer Ausflüge (Wagners Loge, demnächst Humperdincks Königssohn) immer noch koloraturgewandter Belmonte. Blonde liegt der kessen Ilia Staple gut in Kehle und sprühender Komödiantik. Matthäus Schmidlechner ist erwartungsgemäß mehr Charakter- als Spieltenor, was seinen Pedrillo in „Frisch zum Kampfe“ doch an Grenzen bringt. Aber ist es nicht gerade für die Rolle passend, wenn der etwas verzweifelte Versuch, sich Mut anzusingen, ein wenig kläglich ausfällt, statt mit heldentenoralen Acuti zu protzen? Schade, dass Stefan Cerny den Osmin abgesagt hat, aber David Steffens erfüllt die Partie mit einem überaus gesunden, gut geführten Bass (auch wenn die abgründigen Tiefen nicht zu üppig präsentiert werden). Insgesamt eine Aufführung mit weit überdurchschnittlich guter Diktion, Ausdrucksnuancen und orchestraler Brillanz. Sind wir einem neuen Mozart-Frühling am Ring schon recht nahe?

Robert Fucik

 

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