WIEN/ Staatsoper: DIALOGUES DES CARMÉLITES am 26.11.2025

Darf ich feststellen, dass Poulencs Werk uns Heutigen noch etwas zu sagen hat? Es erzählt von der Demontage gesellschaftlicher und persönlicher Freiheiten; von der Ächtung und dem Verbot abweichender Lebensentwürfe. Vom Hinmorden Andersdenkender durch eine sich als überlegen und eine Mehrheit repräsentierend fühlende Obrigkeit.
… So also liegt der Fall.
Magdalena Fuchsbergers Inszenierung bezieht ihre Kraft aus einem intelligent gestalteten, dem französischen Theater nachempfundenen Bühnenbild. Monika Riegler schuf eine auf einer Drehbühne errichtete Lattenkonstruktion mit vielen Spielebenen, durch Treppen miteinander verbunden. Das erlaubt rasche Verwandlungen von einem Bild zum anderen. Kluge Lichtregie (Rudolf Fischer) lenkt mit Helligkeit die Aufmerksamkeit und setzt, wo erforderlich, Akzente. Als Ausstattung gibt es nur das Notwendigste: Der Marquis de la Force nimmt als Vertreter des Ancien Régime auf einem gepolsterten Stuhl Platz. Einzig eine marmorne Büste und Bücher deuten seine Zugehörigkeit zum Adel an. Sie werden später, in der Revolution, devastiert werden …
Die Dummen und die Fanatiker zerstören, wovon sie keine Kenntnis besitzen. (Man werfe einen Blick auf die Bildungs- und Kultur-Budgets und deren Verwendung.)..
…Wie also liegt der Fall?
Dieses Werk schildert eine Gesellschaft, die auf der Kippe steht. Es ist ein Zeitstück.
Und ein Stück. Immer noch.
Verlangt, daß man es gibt. (Und gehet hin.)
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Thomas Prochazka/ www.dermerker.com

