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WIEN/ Staatsoper: DIALOGUES DES CARMÈLITES.

WIEN/ Staatsoper: 26.11.2025: Dialogues des Carmèlites

DIALOGUES OF THE CARMELITES by BRIAN STAUFFER – San Francisco Opera Shop

Auch wenn die Inszenierung von Magdalena Fuchsberger mit ihrem (noch dazu auf seltsam folkloristischen Gestalten „aufgehängten“) Fokus auf dem Thema der Angst nur einen kleinen Teil einer der tiefgründigsten, reichhaltigsten Geschichten, welche auf der Opernbühne zu erleben sind, nur in einem Detail erfasst; für die spirituellen Themen, die darin anklingen, gar kein Gehör zu haben scheint; und insbesondere mit der Umdeutung eines der beeindruckendsten Finales des Genres vom unfreiwilligen, aber auf sich genommenen Opfertod zu einem Selbstmord eine Täter-Opfer-Umkehr vornimmt, die das Gesamtgefüge des Werks aushebelt – es war an anderer Stelle bereits davon die Rede (warum hat man nicht zu Zeiten, als solches die Hauptstrategie der gegenwärtigen Direktion war, die wunderbare Produktion von Robert Carsen übernommen, die im Theater an der Wien zu sehen gewesen ist):

Mit den „Karmeliten“ von Francois Poulenc ist eines der wichtigsten (und wohl ungewöhnlichsten) Werke des 20. Jahrhunderts im Repertoire verankert, und das ist jedenfalls sehr zu begrüßen. Auch wenn das Publikum sich anscheinend teilweise mit ihm noch schwertut, was daran abzulesen ist, dass doch einige Damen und Herren die Vorstellung vor der Zeit verlassen – was, die Vermutung sei gestattet, aber vielleicht doch auch an der spröden und wenig ansprechenden Umsetzung liegt, welche die Oper am Ring nun einmal erfährt.

Musikalisch jedenfalls war an der Vorstellung (fast) alles vorhanden, was einen Repertoire-Abend auf hohem Niveau ausmacht, angefangen vom Dirigat des jungen britischen Dirigenten Robin Ticciati, der die Partitur recht temperamentvoll und mit einer Betonung ihrer dramatischen Aspekte interpretierte, was möglicherweise nicht allen Sängern gleichermaßen entgegenkam.

Die Blanche der Olga Kulchynska überzeugte mit ihrem ausgesprochen klangschönen, nobel phrasierenden Sopran, im Auftreten wirkte sie etwas weniger zerbrechlich als ihre Rollenvorgängerin aus der Premierenserie. Bogdan Volkov, ein dezidiert lyrischer Tenor gab ihren Bruder und wäre vermutlich über etwas Zurückhaltung aus dem Graben nicht unglücklich gewesen. Den Vater der beiden verkörperte wiederum Michael Kraus, der Leiter des Opernstudios mit der nötigen Noblesse eines alten Marquis.

Eine recht junge Madame de Croissy war Sylvie Brunet-Grupposo, was der musikalischen Gestaltung der anspruchsvollen Partie wohl zugutekam, die nicht selten verdienten Künstlerinnen am Ende ihrer Karriere anvertraut wird. Als Madame Lidoine beeindruckte wiederum die Russin Maria Motolygina mit ihrer interessanten, ins Dramatische tendierenden Stimme, die auch ausdrucksstarker Piani fähig ist – es ist zu hoffen, dass die hervorragende Künstlerin in Zukunft auch in anderen Partien in Wien zu erleben sein wird. Maria Nazarova ist optisch und musikalisch eine Idealbesetzung für die quirlig-naive Soeur Constance, während Julie Boulianne als Mère Marie de l’Incarnation, im Grund die zweite Hauptfigur der Geschichte, ein sängerfreundlicheres Dirigat gebraucht hätte, um mit ihrer kultivierten Gestaltung der Partie die intendierte Wirkung zu erzielen. Von den zahlreichen anderen Protagonisten, die alle ihre Aufgabe einwandfrei erfüllten, sei der prägnante und besonders wortdeutliche Beichtvater von Jörg Schneider noch eigens erwähnt.

Valentino Hribernig-Körber

 

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