WIEN/ Staatsoper: DER ROSENKAVALIER am 15.5.2026
Am Freitag hatte die Staatsoper keinen großen Abend; — auch wenn dies in adorierender Verkennerschaft hie und da behauptet wird. (Darf man für solche Fälle intimere Bekanntschaft mit der Partitur und den Leistungen der Vergangenheit empfehlen?) Doch, immerhin: solides Repertoire-Niveau.
Alexander Soddy, der in den letzten Jahren nach Franz Welser-Möst die zweitbesten Elektra-Vorstellungen in Wien dirigierte, war zum ersten Mal zum Rosenkavalier gebeten. Man gab rustikales Vorstadt-Wien anstelle jener Kleiberschen Rokoko-Eleganz, die alle, welche seinerzeit dabei waren, ihr Lebtag nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Keine, wenn auch behauptete » Weltklasse « also. Man vergleiche mit Krauss, Böhm, Sawallisch, Keilberth, Karajan … — und wird mein Diktum bestätigt finden. Doch wohl: solides Repertoire.
Soddy nahm manche Stellen zu rasch. Das mochte auch an den ihm zur Verfügung stehenden Sängern gelegen sein: Im Schluss-Terzett (moderato e molto sostenuto) beispielsweise sollte die Zeit stehenbleiben, sollten sich die drei Frauenstimmen auf’s Schönste miteinander verbinden. Doch wie das bewerkstelligen mit einem karrieregestählten lyrischen, einem sich als Mezzosopran maskierenden und einem zwischen Koloratur- und lyrischem changierenden Sopran?

Thomas Prochazka/ www.dermerker.com

