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Wien/ Staatsoper: DER ROSENKAVALIER am 15.5.2026

WIEN/ Staatsoper: DER ROSENKAVALIER am 15.5.2026

Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie.“

Der “Rosenkavalier” in der klassischen Inszenierung von Otto Schenk, in den Bühnenbildern von Rudolf Heinrich, feiert an der Wiener Staatsoper seit der Premiere am 13. April 1968 eine glanzvolle 406. Vorstellung.
Damals stand Leonard Bernstein am Pult, Christa Ludwig sang die Marschallin und Walter Berry den Ochs. Also eine echte Antiquität – und eine immer seltener werdende Rarität; schließlich verschwinden auch in Wien nach und nach die alten Meisterwerke Otto Schenks vom Spielplan.
Trotz des historischen Kostümbilds und Interieurs wirkt diese Inszenierung zeitlos schön – was für eine Musik, was für ein Libretto und an diesem Abend: was für eine herausragende Besetzung mit
Camilla Nylund als Marschallin, Günther Groissböck als Baron Ochs von Lerchenau, Samantha Hankey als Octavian, Nikola Hillebrand als Sophie und Adrian Eröd als Herr von Faninal standen auf der Bühne; die musikalische Leitung hatte Alexander Soddy. Michael Spyres, der zuletzt an der Metropolitan Oper in New York an der Seite von Lise Davidsen als Tristan triumphierte, übernahm die Partie des italienischen Sängers!
Günther Groissböck ist mittlerweile ein alter und erfahrener Hase in seiner Paraderolle als Ochs von Lerchenau. Mit sonorem Bass, präziser Diktion und jener Mischung aus Grobschlächtigkeit und Charme zeichnet er keinen bloßen Karikaturen-Ochs, sondern eine Figur von erstaunlicher Lebendigkeit. Camilla Nylund gestaltet in einer ihrer absoluten Glanzrollen die Marschallin mit jener Eleganz und klugen Selbstbeobachtung, die dieser Figur ihre besondere Mischung aus Würde, Wehmut und Menschenkenntnis verleiht. Ihr Sopran besitzt nach wie vor Leuchtkraft und lyrische Noblesse, vor allem aber eine berührende Fähigkeit zur Verinnerlichung.
Samantha Hankey bringt als Octavian jugendliche Präsenz, Temperament und vokale Geschmeidigkeit ein, besonders bezaubernd gelingt Nikola Hillebrand die Sophie: silbrig im Timbre, schlank geführt und von anrührender Innigkeit im Schlussensemble. Adrian Eröd gibt den Faninal mit gewohnter Bühnenautorität und präziser Sprachbehandlung. Regine Hangler als Leitmetzerin, Thomas Ebenstein als Valzacchi und Stephanie Houtzeel als Annina rundeten ein erstklassiges Ensemble ab.

Auch am Pult war der Abend herausragend und markant besetzt: Alexander Soddy führte durch diese wienerischste aller Opern mit Sinn für Schmäh, Präzision und klangliche Feinzeichnung. Er ließ die Walzerseligkeit nie ins Sentimentale kippen und hielt zugleich die feinen melancholischen Unterströmungen dieser komplexen Partitur präsent. So fügte sich die 406. Vorstellung dieser ehrwürdigen Produktion nicht nur in eine große Tradition ein, sondern bewies erneut deren lebendige theatralische Gegenwart. Zurecht
standing ovations.

Dr. Eric Alexander Hoffmann

 

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