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WIEN/ Staatsoper: DER LIEBESTRANK – Die reine Freude für die Freunde klassischer Produktionen.

am 25.10. (Johannes Marksteiner)

25.10.2022  Wiener Staatsoper   „Der Liebestrank“

Das war die reine Freude für uns Freunde klassischer Produktionen. Otto Schenk war jahrzehntelang ein Garant für tolle Inszenierungen, klassisch, werkgetreu, lebendig, einfach schön anzusehen. Zum Glück gibt es noch einige wenige Inszenierungen, die man jederzeit wiedersehen möchte.

Bei so viel Freude darf man ein paar Dinge anführen, die nicht ganz perfekt waren. Die absolute Fehlerlosigkeit wäre wohl auch langweilig. Beginnen wir mit dem etwas schleppenden Dirigat von Gianluca Capuano, der anfangs das Heft nicht ausreichend in der Hand hatte. Da gab es einige unsaubere Einsätze und gelegentliches Übertreiben der Lautstärke. Auch der Chor hatte manches Mal Probleme mit den Einsätzen. Von den Protagonisten kam Beachtliches. Alex Esposito war ein raustimmiger Dulcamara, der aber im Spiel sein komödiantisches Talent zeigte. Die tiefen Regionen seiner Partie waren nicht seine Stärke. Davide Luciano sang den Belcore mit viel Kraft, seine Stimme überzeugte vor allem durch eine bombensichere Höhe. Maria Nazarova war als Adina eine gute Wahl, wenngleich ihre Stimme dieser Rolle schon entwachsen zu sein scheint. Ihr kräftiger Sopran hätte etwas gedämpfter eingesetzt werden müssen, um an große Rollenvorgängerinnen mit geläufigerer Gurgel heranreichen zu können. Der Star des Abends war Bogdan Volkov als Nemorino. Schon lange hat kein Sänger diese Rolle derart perfekt gesungen wie er. Eine schlanke Tenorstimme, absolut lyrisch, wo man es erwartet, aber mit sicherer Höhe immer präsent, klare Diktion und saubere Intonation, eine Stimme, die vom ersten Ton an gefällt. Die Arie „Una furtiva lagrima“ war wohl der absolute Höhepunkt des Abends.

Ach wären doch alle Opernabende ähnlich erfreulich! 

Johannes Marksteiner

 

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