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WIEN / Staatsoper: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

02.05.2013 | Oper

WIEN / Staatsoper
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER  von Richard Wagner
49. Aufführung in dieser Inszenierung
2. Mai 2013   

Drei Rollendebuts am Beginn dieser „Holländer“-Serie – und ein ganz neuer Dirigent: Tatsächlich hat der umstrittene Daniel Harding noch nie an der Wiener Staatsoper dirigiert und stellte sich mit einem ausgezeichneten Repertoire-„Holländer“ ein: Da waren die orchestralen Passagen (vor allem die Ouvertüre wirkte sehr geprobt) hervorragend durchgeformt, da funktionierte der Kontakt zwischen Bühne und Orchesterraum, da tat der Dirigent kund, dass er bereit war, Wagners Dramatik aufs höchste aufzupeitschen, aber die vielen, vielen Passagen, wo der Komponist noch immer der „deutschen Oper vor ihm“, auch der Spieloper, verpflichtet war, nicht niederzuwalzen, sondern liebevoll zu begleiten. Es gab ein paar Generalpausen, die an Thielemanns Vorliebe für diesen „Trick“ gemahnten, wenn Harding sie auch nie so ausreizte. Das Publikum war jedenfalls so gespannt, dass es am Ende viel zu früh mit dem Beifall einsetzte, als könnte es nicht erwarten, seine Begeisterung kundzutun. Die innere Spannung des Abends war auch wirklich bedeutend.

Beginnen wir mit den Damen, Senta hat es verdient – Anja Kampe war besser bei Stimme als neulich in München (was man ja per Livestream verfolgen konnte, bevor man sie am 12. Mai via arte als Senta aus Zürich erleben kann), vielleicht fällt ihr die Wiener Inszenierung auch leichter als Konwitschnys zwar prächtig einfallsreiche, aber nicht leicht zu exekutierende Fassung zwischen Rembrandt und Fitness-Studio. Sicher, Sentas wahrlich mannigfaltige Ausbrüche in Fortissimo-Höhen werden nicht ohne Schärfen bewältigt, aber sowohl die Darstellung der Hingabe wie die gesangliche Durchdringung der Partie waren von bemerkenswerter Intensität. Die zweite Dame des Abends, Monika Bohinec, gab – wie die meisten Interpretinnen – eine vor allem missgelaunte und permanent missbilligende Mary.

Ein „Holländer“ bei dem die Tenöre über die dunklen Stimmen siegen, ist sicher nicht an der Regel, diesmal fand er statt: Stephen Gould ist wieder der sehr schön gespielte, mit so viel Verstand, wunderbarer Mittellage und prächtiger Höhe gesungene Erik – man vergisst immer wieder (wie kann man nur), wie anspruchsvoll diese Partie ist, nur weil sie an Umfang den anderen Wagner-Tenorrollen unterlegen scheint. Aber da muss man schon sehr viel aufbieten, und Gould hat es.

Für Benjamin Bruns war sein erster Steuermann in Wien ein mehr als gelungenes Debut – gerade diese Rolle bringt ja auch noch die Stimmführung der deutschen Spieloper ein, und das so leicht und schön und dabei hinreichend kraftvoll zu singen, gelingt nicht jedem.

Der Däne Stephen Milling hatte mit seinem Daland einen schlechten Start, vielfach zu Sprechgesang Zuflucht nehmend (nicht ordentlich eingesungen?), fand aber im zweiten Akt zu sich selbst und zur Stimme (wenn auch nicht diese Fülle, die man von Daland erwartet). Die Szene, in der er Senta und den Holländer verkuppeln will und die beiden gegenseitig anpreist (als ob das nötig wäre!), gelang ihm mit humoristischer Leichtigkeit. Dennoch würde man ihn als leicht unterbesetzt bezeichnen.

Aber im Vergleich zur Titelpartie wirkte er geradezu als Stimmprotz, denn Juha Uusitalo befand sich leider nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, und da kann man sich nicht nur auf Technik zurückziehen, Wagner erfordert schlicht und einfach Stimmkraft. Man kann ihm nur gute Besserung wünschen. Dass der Abend dennoch als Ganzes so stark wirkte, wobei der wieder einmal prachtvolle Chor seinen ehrlichen Anteil hatte, lag nicht an der Inszenierung von Christine Mielitz, deren Schwächen man nicht wieder aufzählen will, sondern am Dirigenten, an einigen Sängern und vor allem am Werk. Ein guter Holländer „zündet“ den Hörer – trotz vielfach so schlichter Melodik, oft, in den Männerchor-Passagen, gerade deshalb – geradezu an.

Renate Wagner

 

 

 

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