22.4.2026- „Der fliegende Holländer“- Wiener Staatsoper
Sagenhaftes auf höchstem Niveau!!!

Foto: Geisterschiff: Generiert mit KI
Die mystische Legende der jahrhundertelangen Sagengestalt des Fliegenden Holländers war bei der Wiederaufnahme der romantischen Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner, der auch für den Text verantwortlich zeichnete, in einer wahren Luxusbesetzung, fulminant an der Wiener Staatsoper zu erleben!
In der Inszenierung von Christine Mielitz (Bühne & Kostüme: Stefan Mayer) kommt das Mystische, Unheimliche und Unfassbare des Holländers durch spezielle Lichteffekte eindrucksvoll zum Ausdruck. Die Farbe Rot stellt eine besondere Farbe in dieser Inszenierung dar. Sie symbolisiert das Blut, die Revolution, aber auch einen Gefangenenraum, den Psychoraum des Holländers.
Verschiebbare Wände, welche die Schiffe Dalands und des Holländers erkennen lassen, die ein Abbild der gesamten Welt, des Lebens an sich darstellen, in denen wir uns alle zurechtfinden müssen sowie im Schiffinneren anmutende Szenen, in denen das Leben bewerkstelligt werden muss. Imposante Chorszenen und faszinierend schaurige Szenen wie zum Beispiel beim ersten Auftritt des Holländers, wenn er sich aus der Gruppe seiner Schiffsbesatzung „herausschält“ und „Die Frist ist um“ zu singen beginnt.
Das exzellente Orchester der Wiener Staatsoper unter der stringent empathischen, souveränen, musikalischen Leitung von Bertrand de Billy präsentierte einen „Fliegenden Holländer“ mit straffen Tempi, eruptiver Klangintensität, instrumentaler Wucht und wohldosierter Differenziertheit. Der berückende Farbenreichtum und die Klangpracht von Richard Wagners Meisterwerk kam beeindruckend zur Geltung.
Tomasz Konieczny war in der Rolle des Holländers eine Sensation!!!
Bei seinem Rollendebüt an der Wiener Staatsoper zog er sämtliche Register seines überragenden Könnens und durchlebte diese mystische Sagengestalt mit enormer Intensität, faszinierender Bühnenpräsenz, fesselnder Gestaltungskraft und hingebungsvoller Authentizität. Sein unverwechselbares, männliches Stimmtimbre, die überwältigende Ur- und Durchschlagskraft seines Star-Bassbaritons gepaart mit brillanter Diktion machten seinen Holländer zum Ereignis!!!
Zum Beispiel in seiner fabelhaften ersten Arie „Die Frist ist um“ formte er ein phänomenales Psychogramm dieser überirdischen Figur in Wort und Ton mit gleichberechtigter Intensität, Emotionalität und Ausdruckskraft, das im positivstem Sinne erschauern ließ…

Foto: The Flying Dutchman (c. 1896 Albert Pinkham Ryder)
Franz-Josef Selig verkörperte einen eleganten Daland mit gut geführter Stimme und überzeugender Präsenz.
Erica Eloff gestaltete eine anmutige, teilweise sehr lyrische Senta (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper), die jedoch auch zu großen Ausbrüchen und Durchschlagskraft fähig war und auch Expressivität zeigte.
Andreas Schager konnte in der Rolle des Erik (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) nur den ersten Teil ausgezeichnet singen, dann ereilte ihn eine schwere Allergie und die Stimme war weg. Jörg Schneider, das bewährte Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, sprang während der Vorstellung für den erkrankten Kollegen ein und meisterte bravourös diese Ausnahmesituation.
Staatsoperndirektor Bogdan Roščić konnte erst nach der Vorstellung vor den Vorhang treten und die Situation für das Publikum aufklären. Er dankte Jörg Schneider für sein bravouröses Einspringen.
Stephanie Maitland überzeugte als Mary (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) mit Souveränität, Strenge und Präsenz.
Hiroshi Amako verlieh dem Steuermann (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Profil und stimmlichen Charakter.
Großartig waren der Chor und der Extrachor (Choreinstudierung: Thomas Lang), das Bühnenorchester und die Komparserie der Wiener Staatsoper.
Eine fantastische Aufführung dieses exzeptionellen Wagner‘schen Meisterwerks, die sicherlich Maßstäbe setzte!
Marisa Altmann-Althausen

