29.4.26 „Der fliegende Holländer“, Staatsoper, „Kein Gustostückerl“

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An der Wiener Staatsoper ankert nach längerer Abwesenheit wieder einmal der „Fliegende Holländer“. Bei seinem letzten Besuch in Wien 2021 ist er nach zwei Vorstellungen in einen COVID-Lockdown geraten, und ward dann nicht mehr gesehen. Aber er scheint die Pandemie gut überstanden zu haben.
Als Ort der körperlichen Manifestation diente dem Holländer wieder die Inszenierung von Christine Mielitz aus dem Jahr 2003, mit gruselig ausgeleuchtetem „Grottenbahneffekt“. Der „ideologische Überbau“ dieser Produktion war jedoch schon bei der Premiere umstritten und hat in seiner Simplifizierung inzwischen einiges an Staub angesetzt. Daland ist bei Mielitz ein widerlicher Kapitalist, goldgierig und tochterverschachernd, der seine Matrosen schlecht behandelt. Der Holländer ist eine Art von gescheitertem Revolutionär, der Senta ideologisch verführt. Sentas „revolutionäre“ Selbstverbrennung (!) ist in diesem Kontext zwar schlüssig, aber zugleich ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein von außen herangetragenes Konzept die einer Oper innewohnende, musik- und textbasierte Dramaturgie verzerrt. Die Inszenierung ist handwerklich gut gemacht, bei der Personen- und Chorführung müsste allerdings nachgeschärft werden.
In diesem bekannten Rahmen gab es bei der aktuellen Aufführungsserie eine Reihe von Wiener Rollendebüts. Die erste Vorstellung am 22. April, die von mir nicht besucht wurde, machte vor allem durch den „On-the-fly“-Austausch des Jägers von sich reden. Andreas Schagers Wiener Erstauftritt als Erik musste wegen einer Allergie abgebrochen werden (die Birken haben es heuer besonders intensiv blühen lassen) und Jörg Schneider, der den Erik bereits 2021 an der Staatsoper gesungen hat, übernahm nach dem zweiten Aufzug…
http://www.operinwien.at/werkverz/wagner/aholl14.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

