DER FLIEGENDE HOLLÄNDER von Richard Wagner
„Die Frist ist um“
Wien Staatsoper 25.04.2026

Foto: Klaus Billand
2021 war Wagners musikalisches Meisterwerk zuletzt an der Wiener Staatsoper zu erleben. Die aktuelle Inszenierung hatte 2003 Premiere und kam bis 2015 auf 58 Aufführungen. Danach kam es erst 2021 zu einer ganz kurzen Wiederaufnahme (zwei Aufführungen) und nach weiteren fünf Jahren, ist die Frist nun um. Der fliegende Holländer kehrt endlich wieder auf den Spielplan der Wiener Staatsoper zurück. Auch in der nächsten Saison. Es ist eigentlich erstaunlich, dass es in den letzten zehn Jahren so wenige Aufführungen gab, erfreut sich der Holländer doch nicht nur großer Beliebtheit, sondern ist die Regiearbeit von Christine Mielitz zudem auch absolut repertoiretauglich und als gelungen zu bezeichnen.
Neben der Betonung der mystischen Komponente in einprägsamen Kulissen glänzt die Produktion mit einem eindringlichen Lichtkonzept, die das Unheimliche und Gruselhafte noch zusätzlich hervorhebt und unterstreicht. Die Geschichte wird hier auch optisch bestens miterzählt.
Neun verschiedene Titelrollen-Interpreten hat man seit Bestehen dieser Produktion an der Staatsoper schon sehen und hören können. Nach Falk Struckmann (in der Premiere), Franz Grundheber, Albert Dohmen, Juha Uusitalo, Alan Titus, Egils Silins, Terje Stensvold, Bryn Terfel und zuletzt Michael Volle ist nun Tomasz Konieczny der zehnte Holländer. Seit seinem fulminanten Alberich-Debüt ist Konieczny ein absoluter Publikumsliebling in Wien und endlich auch mit dem Holländer auf der Bühne der Wiener Staatsoper angekommen. Das recht eigenwillige Timbre des polnischen Bassbaritons ist wie geschaffen für die Titelpartie, passt sie doch hervorragend zur Erscheinung der Figur und der furchteinflößenden Geschichte. Und es ist Koniecznys Stimmgewalt die ihresgleichen sucht. Diesem Holländer haftet wahrlich Unheimliches an. Prächtig und mit starkem Ausdruck sein Auftrittsmonolog Die Frist ist um. Dieser Holländer macht unverständlich klar was er beabsichtigt, und so ist er auch im Auftreten ein rastlos Getriebener und ungeduldig auf eine potentielle Braut Wartender. Koniecznys Holländer dominiert klar die Szene und nicht nur Senta zieht er in seinen Bann. Es ist erstaunlich wie Konieczny es versteht seine Stimme bis zu den letzten Phrasen der Partie frisch zu halten und auch am Schluss noch mächtig und kraftvoll zu klingen. Man hat am Ende der Vorstellung das Gefühl, er könne die Partie gleich noch einmal von vorne beginnen. Eine Idealbesetzung.
Nach unsicherem Beginn findet Franz Josef Selig in seine Rolle hinein und hat beim ersten Zusammentreffen mit dem Holländer stimmlich seinen stärksten Moment als Daland. Hier fällt auch des Sängers Wortdeutlichkeit positiv auf.
Seine Tochter Senta wird von Erica Eloff gesungen, die einen lyrischen Zugang zu der Rolle hat, und die die Partie stimmlich vorsichtig angeht. Überhaupt, wenn sie in lyrischen Gewässern unterwegs ist, fühlt sich die Stimme am wohlsten und die Sängerin präsentiert einen angenehm timbrierten Sopran, wie zum Beispiel in Sentas Ballade. In der dramatischen Höhe jedoch bekommt die Stimme eine eher unschöne Schärfe. Darstellerisch findet sich Eloff gut in die Produktion ein, ihre Besessenheit des Holländers ist fast so unheimlich wie der Holländer selbst und man hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass Senta in dieser Inszenierung nicht von einer Klippe springen darf, sondern sich selbst mit Benzin übergießt und anzündet.
Dass der Erik auch von lyrischen Tenören gut gesungen werden kann, ist bekannt. Geradezu belcanteske Aufschwünge hat Wagner diesem Erik zugedacht. Dennoch müht sich Jörg Schneider hörbar mit seiner Rolle, die ihn deutlich an seine Grenzen bringt, und muss im finalen Duett mit Senta gar einen unüberhörbaren Patzer wegstecken. Das ist nicht Schneiders Abend.
Das Ensemble komplettieren Hiroshi Amako, dessen lyrischer Tenor in der Partie des Steuermanns etwas zu sehr gefordert wird und Stephanie Maitland als rollendeckende Mary.
Der Chor der Wiener Staatsoper zeigt sich in Bestform und verdient viel Lob, und im Orchestergraben glänzt das Orchester der Wiener Staatsoper mit opulentem Klang unter der energiegeladenen Stabführung von Bertrand de Billy, der sich vor der Vorstellung wohl noch ein oder zwei Espressi gegönnt hat. Was da an Kraft und Klangvolumen aus dem Orchestergraben kommt ist jedenfalls ein Hochgenuss.
Eine sehr gute Aufführung die von Koniecznys eindringlicher Interpretation der Titelrolle dominiert wird, und für die er beim Sänger-Schlussapplaus, wenig überraschend, den größten Jubel des Abends einfährt.
Lukas Link

